2k,4 Ideen zur Philosophie
uns mit gesunder Zuversicht durchs ganze Leben lei-ten. Wer seinen Sinnen nicht traut, ist ein Thorund muß ein leerer Spekulant werden; dagegen wersie trauend übt und eben dadurch erforscht und be-richtigt, der allein gewinnet einen Schatz der Er-fahrung für sein menschliches Leben. Zhm ist sodanndie Sprache mit allen ihren Schranken gnug: dennsie sollte den Beobachter nur aufmerksam machenund ihn zum eignen, thärigen Gebrauch seiner Sce-lenkrafte leiten. Ein feineres Zdiom, durchdringendwie der Sonnenstrahl könnte theils nicht allgemeinseyn, theils wäre es für die jetzige Sphäre unsrergrobem Thätiqkeit ein Wahres Uebel. Ein gleichesists mit der Sprache des Herzens: sie kann wenig
sagen und doch sagt sie gnug; ja gcwissermaßeist unsre menschliche Sprache mehr für das Herz,als für die Vernunft geschaffen. Dem Verständekann die Geberdc, die Bewegung, die Sache selbstzu Hülfe kommen; hie Empfindungen unseres Her-zens aber blieben in unserer Brust vergraben, wennder melodische Strom sie nicht in sanften Wellenzum Herzen des andern hinüber brächte. Auch dar-um also hat der Schöpfer die Musik chw Töne zumOrgan unsrer Bildung gewählt; eine Sprache fürdie Empfindung, eine Vater- und Mutter- Kindcs-und Freundessprache. Geschöpfe, die sich einander»och nicht innig berühren können, stehen wie hinterGittern und flüstern einander zu das Wort derLiebe; bei Wesen, die die Sprache des Lichts odereines andern Organs sprächen, veränderte sichnothwendrg die ganze Gestalt und Kette ihrerBildung,