der Geschichte der Menschheit. 200
Zweitens. Der schönste Versuch über dieGeschichte und mannigfaltige Charakteristik desmenschlichen Verstandes und Herzens wäre also einephilosophische Vergleichung der Spra-chen: denn in jede derselben ist der Verstand ei-nes Volks und sein Charakter gepräget. Nicht nurdie Sprachwerkzeuge ändern sich mit den Regionenund beinah jeder Nation sind einige Buchstaben undLaute eigen; sondern die Namengebung selbst, so-gar in Bezeichnung hörbarer Sachen, ja in denunmittelbaren Aeußerungen des Affekts, den Inter-jektionen ändert sich überall auf der Erde. BeiDingen des Anschauens und der kalten Betrachtungwachst diese Verschiedenheit noch mehr und bei denuneigentlichen Ausdrücken, den Bildern der Rede,endlich beim Bau der Sprache, beim Verhaltniß,der Ordnung, dem Consensus der Glieder zu ein-ander ist sie beinah unermeßlich; noch immer aberalso daß sich der Genius eines Volks nirgend besserals in der Physiognomie seiner Rede offenbaret.Ob z. B. eine Nation viele Namen oder viel Hand-lung hat? wie es Personen und Zeiten ausdrückt ?welche Ordnung der Begriffe cs liebet? alles dies istoft in feinen Zügen äußerst charakteristisch. MancheNation hat für das männliche und weibliche Ge-schlecht eine eigne Sprache; bei andern unterscheidensich im bloßen Wort Ich gar die Stände. ThätigeVölker haben einen Ueberfluß von nroäis der Ver-ben ; feinere Nationen eine Menge Beschaffenhei-ten der Dinge, die sie zu Abstraktionen erhöhten.Der sonderbarste Theil der menschlichen Sprachenendlich ist die Bezeichnung ihrer Empfindungen, dieAusdrücke der Liebe und Hochachtung, der Schmei-