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198 Ideen zur Philosophie
Städte errichtet, keine Zauberruthe hat Wüsten inGärten verwandelt; die Sprache hat es gechan, sie,die große Gesellen» der Menschen. Durch sie ver-einigten sie sich bewillkommend einander und schloßenden Bund der Liebe. Gesetze stiftete sie und ver-band Geschlechter; nur durch sie ward eine Ge-schichte der Menschheit in herabgecrbten Formen desHerzens und der Seele möglich. Noch jetzt sehe ichdie Helden Homers und fühle .Oßians Klagen, ob-gleich die Schatten der Sänger und ihrer Helden solange der Erde entfloh» sind. Ein bewegter Hauchdes Mundes hat sie unsterblich gemacht und bringtihre Gestalten vor mich; die Stimme der Verstor-benen ist in meinem Dhr: ich böre ihre lanqstver-
stummcten Gedanken. Was je der Geist der Mcnrsehen aussann, was die Weisen der Vorzeit dachten,kommt, wenn cs mir die Vorsehung gegönnt hat,allein durch Sprache zu mir. Durch sie ist meinedenkende Seele an die Seele des ersten und vielleichtdes letzten denkenden Menschen gcknüpfet: kurz
Sprache ist der Charakter unsrer Vernunft, durchwelchen sie allein Gestalt gewinnet und sich fort-pflanzet.
Indessen zeigt eine kleine nähere Ansicht, wieunvollkommen dies Mittel unsrer Bildung sei, nichtnur als Werkzeug der Vernunft, sondern auch alsBand zwischen Menschen und Menschen betrachtet;so daß man sich beinah kein unwesenhafteres, leich-teres, flüchtigeres Gewebe denken kann, als womitder Schöpfer unser Geschlecht verknüpfen wollte.Gütiger Vater, war kein andrer Ealcul unsrer Ge-danken, war keine innigere Verbindung menschlicherGeister und Herzen möglich?