der Geschichte der Menschheit. 191
wirklich geheiligt hätte? Niedriger also kann kein ver-nünftiges Geschöpf stehen, als der Mensch stellt:denn er ist Lebenslang nicht nur ein Kind an Ver-nunft, sondern sogar ein Zögling der Vernunft andrer.In welche Hände er fallt; darnach wird er ge-staltet und ich glaube nicht, daß irgend eine Formder menschlichen Sitte möglich sei, in der nicht ei»Volk oder ein Individuum desselben existirt oderexistirt habe. Alle Laster und Gräuelthaten erschöpfensich in der Geschichte bis endlich hie und da eine ed-lere Form menschlicher Gedanken und Tugenden er-scheinet. Nach dem vom Schöpfer erwählten Mit-tel, daß unser Geschlecht nur durch unser Geschlechtgebildet würde, wnrs nicht anders möglich: Thorhei-ken mußten sich vererben, wie die sparsamen Schatzeder Weisheit: der Weg der Menschen ward einemLabvrinth gleich, mit Abwege» auf allen Seiten, wonur wenige Fußtapfen zum innersten Ziel führen.Glücklich ist der Sterbliche, der dahin ging oder führ-te, dessen Gedanken, Neigungen und Wünsche, oderauch nur die Strahlen seines stillen Beispiels auf dieschönere Humanität seiner Mitbrüder fortgcwirkt ha-ben. Nicht anders wirkt Gott auf der Erde, alsdurch erwählte, grössere Menschen; Religion undSprache, Künste und Wissenschaften, ja die Regie-rungen selbst können sich mit keiner schöner» Kroneschmücken, als mit diesem Palmzweige der sittlichenFortbildung in menschlichen Seelen. Unser Leid ver-modert im Grabe und unsers Namens Bild ist baldein Schatte auf Erde; nur in der Stimme Gottes,d. i. der bildenden Tradition cinverleibt, können wirauch mit Namenloser Wirkung in den Seelen derUnser» thatig fortleben.