164 Ideen zur Philosophie
tcrlichcn Großmuth. Wenn endlich der Tod derzärtlichen Mutter, die wir eine Wilde nennen, ihrenbesten Trost, den Werth und die Sorge ihres Lebensraubt; man lese bei Earver *) die Klage derNadoweßcrinn, die ihren Mann und ihren vierjäh-rigen Sohn verlohren hatte: das Gefühl, das inihr herrscht, ist über alle Beschreibung. — Wasfehlet also diesen Nationen an Empfindungen derwahren weiblichen Humanität, wenn nicht etwa derMangel und die traurige Noth oder em falscherPunkt der Ehre und eine geerbte rohe Sitte sie hieund da auf Irrwege leiten? Die Keime zum Ge-fühl alles Großen und Edcln liegen nicht nur al-lenthalben da; sondern sie sind auch überall aus-gebildet, nachdem es die Lebensart, das Klima, dieTradition oder die Eigenheit des Volks erlaubte.
Ist dieses: so wird der Mann dem Weibe nichtnachbleibcn und welche denkbare männliche Tugendwäre es, die nicht hie und da auf der Erde denOrt ihrer Blüthe gefunden hätte? Der männlicheMuth, auf der Erde zu herrschen und sein Leben,nicht ohne That, aber gnügsam-frei zu genießen,ist wohl die Erste Mannes-Tugend: sie hat sich amweitsten und vielartigsten ausgebildet, weil fast al-lenthalben die Noth zu ihr zwang und jeder Erd-strich, jede Sitte sic anders lenkte. Bald also suchteder Mann in Gefahren Ruhm und der Sieg überdieselbe war das kostbarste Kleinod seines männlichen
*) Larver's Reisen S, 333. u. f.