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Zur Philosophie und Geschichte Theil 4 (1820) Ideen ; 2
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162 Ideen zur Philosophie

als eine geerbte Sitte auflegten und bei den arm- >seligsten Völkern finden sich hierin oft die größestenMuster. Es ist nicht Verstellung, wenn in vielenGegenden die mannbare Tochter zur beschwerlichenEhe gezwungen werden muß: sie entlauft der Hütte,sic fliehet in die Wüste: mit Thranen nimmt sie

rhren Brautkranz, denn ist die letzte Blütkc ihrervertändelten, freieren Jugend. Die meisten Braut-lieder solcher Nationen sind Aufmuntcrungs - Trost-und halbe Tcauerlicder *), über die wir spotten,weil wir ihre Unschuld und Wahrheit nicht mehrfühlen. Zärtlich nimmt sie Abschied von allem,was ihrer Jugend so lieb war: als eine Verstorbeneverläßt sic das Haus ihrer Eltern, verlieret ihrenvorigen Namen und wird das Eigenthum einesFremden, der vielleicht ihr Tyrann ist. Das un-schätzbarste, was ein Mensch hat, muß sie ihm auf-opfern, Besitz ihrer Person, Freiheit, Willen, javielleicht Gesundheit und Leben; und das Alles um-Reize, die die keusche Jungfrau noch nicht kennetund die ihr vielleicht bald in einem Meer von Un-gemächlichkeit verschwinden. Glücklich, daß die Na-tur das weibliche Herz mit einem unnennbar-zartenund starken Gefühl für den persönlichen Werth desMannes ausgerüstet und geschmückt hat. Durchdies Gefühl erträgt sie auch seine Hurtigkeiten: sieschwingt sich in einer süßen Begeisterung so gern zuallem auf, was ihr an ihm edel, groß, tapfer, un-gewöhnlich dünket: mit erhebender Theilnehmung

*) S. einige derselben in den VolksliedernTh, i, S. 33, 2H, a. S, 96 -gg, S. iotz.