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Zur Philosophie und Geschichte Theil 4 (1820) Ideen ; 2
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Ideen zur Philosophie

Ehe wir also zum traurigen Haß kommen dürfen,wollen wir von der erfreuenden Liebe reden. Ilebcrallauf der Erde ist ihr Reich; nur allenthalben zeigtsie sich unter andern Gestalten.

Sobald die Blume ibren Wuchs erreicht hat,blühet sic; die Zeit der Blüthe richtet sich also nachder Periode des Wuchses und diele nach der sie cm-portreibenden Sonnenwarme. Die Zeit der früherenoder spateren Menschenblüthe hangt gleichfalls vomKlima ab und von allem, was zu ibm gehöret.Sonderbar-weit sind auf unsrer kleinen Erde disZeiten der menschlichen Mannbarkeit nach Lebensar-ten und Erdstrichen verschieden. Die Perserin hei-ralkict im achten und gebiert im neunten Jahr;unsre alten Deutschen waren dreissigjährige Mannin-nen, ehe sic an die Liebe dachten.

Jedermann stehet, wie sebr diese Unterschiededas ganze Berhaltniß der Geschlechter zu einanderandern mußt.n. Die Morgenländerin ist ein Kind,wenn sic verheirathel wird: sie blühet frühe auf

und frühe ab: sie wird von dem crwachsneren Mannalso auch wie Kind und Blume behandelt. Da nunjene wärmeren Gegenden die Reize des physischenTriebes in beiden Geschlechtern nicht nur früher,sondern auch lebhafter entwickeln: welcher Schritt

war naher, als daß der Mann die Vorzüge seinesGeschlechts gar bald mißbrauchte und sich einenGarten dieser vorübergehenden Blumen sammlenwollte. Fürs Menschengeschlecht war dieser Schrittvon großer Folge. Nicht nur, daß die Eifersuchtdes Mannes seine mehreren Weiber in einen Haremschloß, wo ihre Ausbildung mit dem männlichenGeschlecht unmöglich gleich fortgehen konnte; sondern