i36 Ideen zur Philosophie
wurden sie crzeuqt und erzogen: ihre Weihung ge-schah durch Fasten, Einsamkeit, Anstrengung derPhantasie, durch Abmattuiuz des Leibes und derSeele: daher niemand ein Zauberer ward, bis ihmsein Geist erschien und also in seiner Seele zuerstdas Werk vollendet war, das er nachher Lebenslang,mit wiederholter ähnlicher Anstrengung der Gedan-ken und Abmattung des Leibes für andre treibet.Die kältesten Reisenden mußten bey manchen Gau-kelspielen dieser Art erstaunen, weil sic Erfolge derEinbildungskraft sahen, die sie kaum möglich ge-glaubt hatten, und sich oft nicht zu erklären wuß-ten. Ucbcrhaupt ist die Phantasie noch die uner-forschteste und vielleicht die unerforschlichstc allermenschlichen Scclenkräfte: denn da sic mit dem gan-zen Bau des Körpers, insonderheit mit dem Ge-hirn und den Nerven zusammenhangt, wie so vielwunderbare Krankheiten zeigen: so scheint sie nichtnur das Band und die Grundlage aller feincrn See-lenkräfte , sondern auch der Knote des Zusammen-hanges zwischen Geist und Körper zu scyn, gleich-sam die sproßende Blüthe der ganzen sinnlichen Or-ganisation zum weitern Gebrauch der denkendenKräfte. Nothwendig ist sie also auch das Erste,was von Eltern auf Kinder übergeht, wie dies aber-mals viele widernatürliche Beyspiele, sammt der unan-streitbaren Achnlichkeit des äußern und innern Or-ganismus auch in den zufälligsten Dingen bewähret.Man hat lange gestritten, ob cs angebohrne Ideengebe? und wie man das Wort verstand, finden siefreylich nicht Statt; nimmt man cs aber für dienächste Anlage zum Empfängniß, zur Verbindung,zur Ausbreitung gewisser Ideen und Bilder: so fchei-