der Geschichte der Menschheit. 119
Humanität, als tausend gelernte künstliche Abstrak-tionen. Alle grobfühlenden Volker in einem wildenZustande oder harten Klima leben gefräßig, weil sienachber oft hungern müssen: sie essen anch meistens,was ihnen vorkommt. Völker von fcinerm Sinn
licden auch feinere Vergnügen. Ihre Mahlzeitensind einfach und sie genießen täglich dieselben Spei-sen ; dafür aber wählen sie wollüstige Salben, feineGerüche, Pracht, Bequemlichkeit, und vor allem istikne Blume des Vergnügens die sinnliche Liebe.
Wenn dies von Feinheit des Organs die Rede seynsoll: so ist kein Zweifel, wohin sich der Vorzug nei-ge ? denn kein gesitteter Europäer wird zwischen demFett- und Thranmahle des Grönländers und denSpezcreyen des Indiers wählen. Indessen wäre dieFrage, wem wir, trotz unsrer Eullur in Worten,
dem größesten Theil nach näher sepn möchten, ob je-
nem oder diesem ? Der Indier setzt seine Glückselig-keit in leidenschastlose Ruhe, in einen unzerstörbarenGenuß der Heiterkeit und Freude: ec athmet Wol-lust: er schwunmt in einem Meer süßer Träumeund erquickender Gerüche; unsre Ueppigkeit hingegen,um deren willen wir alle Welttheile beunruhigenund berauben, was will, was suchet sie? Neue undscharfe Gewürze für eine gestumpfte Zunge, fremdeFrüchte und Speisen, die wir in einem überfüllen-den Gemisch oft nicht einmal kosten , berauschendeGetränke, die uns Ruhe und Geist rauben; wasnur erdacht werden kann, unsre Natur aufregendzu zerstören, ist das tägliche große Ziel unsres Le-bens. Dadurch unterscheiden sich Stände: dadurchbeglücken sich Nationen — Beglücken? Wcßhalbhungert der Arme und muß bey stumpfen Sinnen