der Geschichte der Menschheit. 117
Schmerzen ward ihnen zur Naturgewohnhcit undihr minderer Reiz zur Wollust, bev übrigens mun-tern Naturkräften, selbst jene entschlafne Fühllosig-keit, die manche unterjochte Nationen wie in einenwachenden Traum versenkte, scheinen aus dieser Ur-sache zu folgen. Unmenschen also sinds, die einenMangel, denen die Natur ihren Kindern zum lin-dernden Trost gab, aus noch größerem Mangelmenschlicher Empfindungen, theils mißbrauchten, theilSschmerzhaft erprobten.
Daß ein Uebermaas an Hitze und Kalke dasäußere Gefühl versenge oder stumpfe, ist aus Erfah-rungen bewiesen. Völker, die auf dem Sande mitbloßen Füßen gehen, bekommen eine Sohle, die dasBeschlagen des Eisens erträgt, und man hat Bey-spiele, daß einige zwanzig Minuten aus glühendenKohlen aushielken. Aetzcnde Gifte konnten die Hautverwandeln, daß man die Hand in geschmolzncS Bleyeintauchen lernte und die starrende Kälte, so wieder Zorn und andre Gemüthsbewegungen tragen auchzur Abstumpfung des Gefühls bey *). Die zartesteEmpfindlichkeit dagegen scheint in Erdstrichen und Keyeiner Lebensweise zu scpn, die die sanfteste Span-nung der Haut und eine gleichsam melodische Aus,breitung der Nerven des Gefühls fördert. Der Ost-indier ist vielleicht das feinste Geschöpf im Genußsinnlicher Organe. Seine Zunge, die nie mit demGeschmack gegohrner Getränke oder scharfer Speisenentnervt worden, schmeckt den geringsten Nebenge-schmack des reinen Wassers und sein Finger arbeitet
*) 8-rller. kbxsiol. 1 °. V. x. 16.