Druckschrift 
Zur Philosophie und Geschichte Theil 4 (1820) Ideen ; 2
Entstehung
Seite
114
Einzelbild herunterladen
 

H4

Ideen zur Philosophie

I.

Die Sinnlichkeit unsres Geschlechts verändertsich mit Bildungen und Klimaten; überallaber ist ein menschlicher Gebrauch derSinne das, was zur Humanitätführet.

il-4lle Nationen, die kranken Albinos etwa ausge-nommen, haben ihre fünf oder sechs menschlicheSinne; die Unfühlbaren des Divdorus oder dietaub- und stummen Völker sind in der neuern Men-schengeschichte eine Fabel. Indeß , wer auf die Ver-schiedenheit der äußern Empfindungen auch nur un-ter uns Acht hat, und sodann an die zahllose Mengedenkt, die in allen Klimaten der Erde lebet, derwird sich hiebey wie vor einem Weltmeer finden,auf dem sich Wogen in Wogen verlieren. JederMensch hat ein eignes Maas, gleichsam eine eigneStimmung aller sinnlichen Gefühle zu einander, sodaß bey außerordentlichen Fallen oft die wunderbar-sten Acußerungen zum Vorschein kommen, wie ei-nem Menschen bey dieser oder bey jener Sache sey.Aerzte und Philosophen haben daher schon ganzeSammlungen von eiHcnthümlich - sonderbaren Em-pfindungen d. i. Idiosynkrasien gegeben, die oft soseltsam als unerklärlich sind. Meistens merken wirauf solche nur in Krankheiten und ungewöhnlichen