Druckschrift 
12 (1853) Der Wildtöter : eine Erzählung
Entstehung
Seite
703
Einzelbild herunterladen
 

703

«cm Freund vorbeikam.Ich will nur Judith zu ihrer Gesellschaftgeleiten, und daun Euch wieder treffen."

Hundert Schritte hatten das Paar dem Auge sowohl derVorauziehcudeu als der Nachkommeudeu entzogen, als Judithsich nmwandte und sprach.

Das wird genügen, Wildtödter," sagte sie traurig.Ichverstehe Eure Güte und Freundlichkeit, werde ihrer aber nichtbedürfen. In wenigen Minuten werde ich die Soldaten er-reichen. Da Ihr nicht mit mir die Reise des Lebens antretenwollt, wünsche ich nicht, daß Ihr mich auf dieser weiter be-gleitet. Doch halt! che wir scheiden, möchte ich Euch noch EineFrage vorlegen. Und ich verlange von Euch, wie Ihr Gottfürchtet-und die Wahrheit ehrt, daß Ihr mich mit Eurer Ant-wort nicht täuschet. Ich weiß, Ihr liebt keine Andere: und ichsehe nur Einen Grund ab, warum Ihr mich nicht lieben könnt,nicht lieben wollt. Sagt mir den, Wildtödter," das Mädchenstockte, und die Worte, die sie im Begriff war zu sagen, schie-nen sic ersticken zu wollen. Dann all' ihre Entschlossenheit auf-bietend, fuhr sic mit einem Angesicht, in welchem flammendeRöthe und Bläffe mit jedem Athemzugc wechselten, fort:sagtmir denn, Wildtödter, ob nicht vielleicht etwas Leichtfertiges,was Henry March von mir gesagt, Einfluß auf Eure Gefühlegehabt haben mag?"

Die Wahrheit mar Wildtödtcrs Polarstern, den er immerim Auge behielt; und es war ihm beinahe unmöglich, dasAnssprechen derselben zu vermeiden, selbst wenn die KlugheitSchweigen gebot. Judith las seine Antwort in seinem Ange-sicht; und mit einem Herzen, das beinahe brach durch das Be-wußtsein unverdienten Unrechts, winkte sie ihm ein Lebewohl zu,und begrub sich in den Wäldern. Einige Zeit war Wildtödterunschlüssig, was er thnu solle, am Ende aber wandte er seineSchritte rückwärts, und schloß sich an die Delawareu wieder