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12 (1853) Der Wildtöter : eine Erzählung
Entstehung
Seite
520
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Judith war verletzt durch diese Zurechtweisung aus dem Mundedieses Mannes, aber sie würde dieselbe noch weit lebhafterempfunden habe», hätte nicht ihr Gewissen sie von allen unge-rechten, selbstsüchtigen Absichten gegen ihre schwachsinnige, abervertrauensvolle Schwester freigesprochen. Es war jedoch nicht derAugenblick, irgendwie die bei ihr so gewöhnliche Aufwallung ihresstolzen Geistes zu verrathcn, und die vorübergehende Empfindlich-keit ward unterdrückt von dem Wunsche, zu dem wichtigen Vor-haben, das sie im Auge hatte, zu gelangen.

Hetty wird kein Unrecht geschehen," antwortete sie mild;sieweiß auch sogar nicht nur, was ich zu thuu im Begriff stehe,sondern auch, warum ich es thue. So nehmt denn Euren Sitz,hebt den Deckel des Schranks auf, und dießmal wollen wir bisauf den Boden hinabdriugen. Es sollte mich sehr wundern, wennsich nicht Etwas fände, was uns über die Geschichte ThomasHutters und meiner Mutter mehr anfklärte."

Warum sagt Ihr Thomas Hutter, Judith, und nicht EuerVater? Den Todten soll mau mit ebensoviel Ehrfurcht begegnen,als den Lebenden."

»Ich habe schon lang geargwohnt, daß Thomas Hutter nichtmein Vater sei, obwohl ich ihn für Hetty's Vater zu halten ge-neigt war, aber jetzt wissen wir, daß er der Vater von Keinervon uns ist. Er bekannte dieß förmlich in seinen letzten Augen-blicken. Ich bin alt genug, um mich eines bessern Zustands zuerinnern, als worin wir auf diesem See gelebt haben, obgleich dieEindrücke davon in meinem Geiste so schwach sind, daß mir derfrühere Thcil meines Lebens wie ein Traum erscheint."

Träume sind armselige Wegweiser, wenn mau sich überWirklichkeiten zu entscheiden hat, Judith," versetzte der Anderewarnend.Bildet Euch Nichts ein, und hofft Nichts ihrethalb:obwohl ich schon Häuptlinge gekannt habe, die sie für nützlichhielten."