geschieht bei uns nur bei großen Veranlassungen, und ich betrachtediese Nacht als die wichtigste meines Lebens. Wollt Ihr mirfolgen, und sehen, was ich Euch zu zeigen — hören, was ich Euchzu sagen habe?"
Der Jäger war etwas überrascht; aber er machte keine Ein-wendungen, und bald befanden sich Beide ans der Fähre, in demGemache, wo das Licht brannte. Hier standen zwei Stühle nebendem Schranke, und ans einem dritten die Lampe, und in der Näheein Tisch, um die verschiedenen Artikel anfznnehmen, so wie siezum Vorschein kämen. Diese Anordnung hatte ihren Grund inder fieberhaften Ungeduld des Mädchens, die keine Verzögerungertragen mochte, welcher zu begegnen in ihrer Macht stand.Selbst alle Schlösser waren weggenvmmen, und es blieb nur nochübrig, den schweren Deckel aufznheben, und die Schätze dieseslangverborgcnen Hortes ausznlcgen.
„Ich sehe znm Theil, was dies; Alles bedeutet," bemerkteWildtödter, „ja ich durchschaue es znm Theil. Aber warum istHetty nicht anwesend? nachdem Thomas Hutter todt ist, ist sieMiteigenthümcrin dieser Merkwürdigkeiten, und sollte sehen, wieman sie eröffnet und was man damit ansängt."
„Hetty schläft," antwortete Judith hastig. „Znm Glück fürsie haben schöne Kleider und Schätze für sie keinen Reiz. Zudemhat sie mir heute Nacht ihren Antheil an Allem, was dieserSchrank enthalten mag, übergeben, das; ich damit nach meinemGutdünken verfahre."
„Ist die arme Hetty hinlänglich ihrer Geisteskräfte mächtigdazu, Judith?" fragte der rechtlichgesinnte, junge Mann. „Es isteine gute Vorschrift und eine gerechte, daß man Nichts nehmensolle, wenn die Gebenden den Werth ihrer Gaben nicht verstehen,und mit solchen, welche Gott so schwer heimgesncht hat in ihremVerstände, sollte man so sorgsam umgehen, wie mit Kindern, dienoch nicht zu ihrer Vernunft gekommen sind."