Druckschrift 
12 (1853) Der Wildtöter : eine Erzählung
Entstehung
Seite
479
Einzelbild herunterladen
 

479

möchte traurig darüber sein, daß ich nicht so schön sei wie du;

obgleich sie darüber hatte ganz ruhig sein können, denn ichgelüstete nie nach Etwas, das dein ist, Schwester; aber gesagthat sie mir das! dennoch aber ist Schönheit in den AugenBeider etwas sehr Einnehmendes. Ich glaube, wenn ich ein Mannwäre, ich würde mehr nach einem guten Anssehen mich sehnen,denn als Mädchen. Ein schöner Mann ist ein viel einnehmende-rer Anblick, als ein schönes Weib."

Armes Kind! Du weißt kaum, was dn sagst, oder was dumeinst! Schönheit bei unserem Geschlecht ist Etwas, aber beimMann gilt sie wenig. Gewiß, ein Mann soll groß sein, aberAndere sind auch groß, so gut wie Hurry; und rüstig ichdenke, ich kenne Solche, die rüstiger sind; und stark nun,er hat auch nicht alle Stärke ans der Welt allein; nnd muthig

sicherlich kann ich einen Jüngling nennen, der mnthigcr ist."

Das ist sonderbar, Judith. Ich hätte nicht geglaubt, daß

auf Erden ein schönerer, oder stärkerer, oder rüstigerer, odermnthigerer Mann lebte, als Harry Hurry! Ich bin gewiß, ichsah nie Einen, der ihm in einem dieser Stücke gleich gekommenwäre."

Gut, gut, Hetty sprich davon nicht mehr. Ich höre dichnicht gerne so schwatzen. Es paßt nicht für deine Unschuld undWahrheit, nnd deine warmherzige Aufrichtigkeit. Laß den HarryMarch gehen. Er verläßt uns heute Nacht, nnd kein Bedauernfolgt ihm von meiner Seite, wenn nicht etwa darüber, daß erso lange nnd so zwecklos dageblieben ist!"

Ach, Judith, das ist es, was ich lange gefürchtet, und ichhoffte so, er würde mein Schwager werden!"

Denke jetzt nicht mehr daran; laß uns von unserer armenMutter und von Thomas Hutter sprechen."

So sprich denn, aber mild, Schwester, denn du kannst nichtgewiß wissen, ob nicht Geister hören und sehen. Wenn Vater