405
stand auf, und einen Augenblick ward die alte Erbitterung derStämme vergessen über der Sympathie für seine Farbe; aber er-faßte und besann sich noch zeitig genug, um es nicht zu den schlim-me» Folgen kommen zu lassen, zu welchen ihn allerdings die rascheAufwallung eines Augenblicks hinznreißen gedrohthatte. Nicht so Hist.Das Mädchen rannte durch die Hütte, oder die Kajüte, und stand nebenHnrry beinahe in dem Augenblick, wo seine Büchse den Boden der Fähreberührte, und mit einer ihrem Herzen Ehre machenden Furchtlosigkeitströmte sie ihre Vorwürfe ans mit der edlen Wärme des Weibes.
„Warum Ihr schießen?" sagte sie. „Was Hnronen-Mädchengethan, daß Ihr tödten sic? Was Ihr denken, was Manittnsagen? Was Ihr denken, daß Manittn fühlen? Was Irokesenthun? Nicht gewinnen Ehre — nicht Lager — nicht Gefangene —nicht Schlacht — nicht Skalpe — gewinnen gar Nichts! Blutkommen ans Blut! Wie Ihr fühlen, wenn Euer Weib getvdtet?Wer Euch bemitleiden, wenn Thränen kommen »m Mutter oderSchwester? Ihr dick, wie große Fichte — Hnronen-Mädchen kleine,zarte Birke — warum Ihr ans sie fallen und zermalmen? Ihrdenken, Hnronen cs vergessen? Nein! Rothhant nie vergessen, nievergessen Freund, nie vergessen Feind. Rother Mann Manittnin diesem. Warum Ihr so ruchlos, großes Bleichgesicht?"
Hnrry war nie so cingeschüchtert worden, wie durch diesenstarken und warmen Angriff des indianischen Mädchens. Es istwahr, sie hatte einen mächtigen Verbündeten an seinem Gewissen;und obgleich sie eifrig sprach, geschah es doch in so acht weiblichenTönen, daß er keinen Vorwand zu unmännlichem Zorn hatte. DieWeichheit ihrer Stimme vermehrte das Gewicht ihrer Vorwürfe,indem sie letztem ganz die Farbe der Reinheit und Wahrheit lieh.Wie die meisten gemeindcnkenden Menschen hatte er die Indianerblos durch das Medium ihrer roheren und wilderen Charaktcrzügebetrachtet. Es war ihm nie eingefallen, daß die Gefühle des Her-zens allgemein menschlich seien; daß selbst hochsinnige Grundsätze —