173
brauchte, um nicht einen Verdacht gegen ihre Klugheit, wo nichtgegen ihre Sittlichkeit aufkommen zu lassen. Bei Wildtödter jedochwaren solche Blicke einer so ungünstigen Deutung weniger ausge-seht; denn sie sah ihn selten an, ohne viel von der Aufrichtigkeitund Natur zu zeigen, welche die reinsten Gefühle des Weibes be-gleiten. Es war etwas auffallend, daß bei der längern Gefangen-schaft ihres Vaters keines von den Mädchen eine große Unruheum ihn an den Tag legte; aber wie schon gesagt, ihre Lebenser-fahrungen und Gewohnheiten machten sie zuversichtlich, und siesahen seiner Befreiung mittelst eines Lösegelds mit einer Sicherheitentgegen, die großentheils ihre anscheinende Gleichgültigkeit erklärenkonnte. Schon früher einmal war Hutter in de» Händen derIrokesen gewesen, und wenige Häute hatten leicht seine Befreiungerkauft. Dieser Vorfall jedoch hatte, was die Schwestern nichtwußten, zur Zeit des Friedens zwischen England und Frankreichstatt gehabt, wo die Wilden durch die Politik der verschiedenenKolvnialregiernngen im Zaum gehalten wurden, statt, wie jetzt,zu ihren Verbrechen und Grausamkeiten ermnthigt zu werden.
Während Judith in ihrer Weise redselig und zutraulich war,blieb Hetty nachdenklich und schweigsam. Einmal zwar trat sienahe zu Wildtödter hin, und befragte ihn etwas genauer überseine Absichten, so wie über die Art, wie er seinen Plan auszu-führen gedenke; aber weiter ging ihr Verlangen, sich mit ihm zuunterhalten, nicht. Sobald ihre einfachen Fragen beantwortetwaren — und das wurden sie alle auf's befriedigendste und wohl-wollendste — entfernte sie sich wieder auf ihren Sitz, und fuhrfort, an einem groben Kleidungsstück zu arbeiten, das sie für ihrenVater fertigte, manchmal leise eine schwermüthige Weise vor sichhin summend, und oft seufzend.
So verstrich die Zeit; und als die Sonne anfing, hinter demSaum des Fichtenwaldes zu glühen, der den westlichen Berg be-gränzte, oder etwa zwanzig Minuten vor ihrem wirklichen Unter-