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I. Lieder der Liebe.
rauben — und wie sie, alles verschmerzend, weitereilt, die Töchter Jerusalems beschwert, ihm nurzu sagen, ihm zu sagen daß sie krank sep vonLiebe -— -—
Und da die Töchter Jerusalems stolz und präch-tig nach Merkzeichen ihres Geliebten fragen; welchein Zeitpunkt zu seinem Lobe, zu Schilderung sei-ner Gestalt! Jetzt unter dem Schleier der Nacht,im Gefühl, ihn verscherzt, ihn beleidigt zu haben;überdem aufgefodcrt, gereizt von diesen vornehmenSpröden, und endlich aus der Fülle eines liebe-siechen, verwundeten, kranken Herzens. Da strömtsein Lob: seine Gestalt wird ein wahres Prachtbild,Kolossus von männlicher Würde, Glanz und Schön-heit. Sie schildert ihn, nicht, wie er sie schildernwürde: mehr seine Kleider als ihn; mehr seinenAnblick, als seine Reize. Ehrfurcht und Zucht
haben so viel Theil an ihrem Gesänge, als Sehn-sucht und Liebe. Nur wiederhole ich, daß dieseGestalt mir zu der Landszene des Nachtgesangesabstcchcnd dünkt: beides scheint nur vom Sammlergebunden. Weiß Ulld roth ist ihr Geliebter, er-kennbar unter zehntausendett/ als ob er unterihnen Panier schwänge. Sein Haupt ist feinesGold t sie verliert gleichsam die Züge seines Ge-sichts unter dem Schmucke des Turbans, der ihnauszeichnet und bey den Morgenländern überhauptso wie das Sinnbild männlicher Würde, so auchUnterschied des Standes und der Ehre ist. SeineLocke ist kraus und rabenschwarz : voll Starkeder Jugend und des Charakters. Seine Augenwerden als Täubchen ausgemahlet, wie sic bisher