Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
95
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Scheintod des Ruggicri von Jeroli. 95

aber laß ihn mir aus dem Hause, denn, traf' ich ihnwieder an, so solltest Du mir für dies Mal noch mitbezahlen."

Die Dienerin meinte, der erste Wurf sei ihr nichtübel gelungen, und begab sich nun in aller Eile nach demGefängnisse, wo Ruggieri saß. Dort wußte sie demSchließer so viel vorzureden, daß er sie mit dem Gefan-genen sprechen ließ. Sobald sie ihn zur Genüge überDas, was er, um loszukommen, dem Richter sagen solle,belehrt, ging sie selber zum Letzteren und kam auch wirk-lich vor ihn. Da das Mädchen ein frisches und derbesDing war, so fand der Herr Richter für gut, bevor erihr weiteres Gehör gäbe, die mitleidige Fürbitterin genauerzu sondiren, was sie sich denn auch, zu besserer Förderungihres Anliegens, gern gefallen ließ. Als sie mit dieserUntersuchung fertig geworden waren, sagte sie:Herr, Ihrhabt den Ruggieri von Jeroli für einen Spitzbuben ge-fangen, Ihr thut ihm aber Unrecht." Und damit erzähltesie ihm die alte Geschichte wieder von Anfang bis zu Ende:wiesle seine Liebste sei, wiesle ihn über Nacht in des ArztesHaus geführt, wie sie ihm, ohne es zu wissen, den Schlaf-trunk zu trinken gegeben und ihn für tobt in den Kastengethan habe. Dann berichtete sie ihm auch die Reden,die sie zwischen dem Tischlermeister und dem Eigenthümerdes Kastens mit angehört, und machte ihm dadurch be-merklich, auf welche Weise Ruggieri in das Haus derWucherer gekommen sei.

Der Richter sah wol ein, daß es nicht schwer sei, indieser Angelegenheit die Wahrheit zu entdecken, und fragtezu dem Ende zunächst den Arzt, ob es sich mit demSchlaftrunk wirklich so verhalte. Dann ließ er den Tisch-ler, den Eigenthümer des Kastens und die Wucherer kom-men und brachte nach vielem vergeblichen Gerede wirklichheraus, daß die Letzten in der vergangenen Nacht denKasten gestohlen und in ihr Haus gebracht hätten. End-lich schickte er auch nach dem Ruggieri und fragte ihn,