74 Vierter Lag. Achte Geschichte.
Girolamo ist kaum erst vierzehn Jahre alt und hat sichin eine Schneiderstochter aus unserer Nachbarschaft, dieSalvestra heißt, schon so verliebt, daß ich immer fürchte,wenn wir sie ihm nicht aus den Augen bringen, nimmter sie sich ein Mal ohne Jemandes Vorwissen zur Frauund betrübt mich dadurch für mein ganzes Leben. Siehter sie dagegen an einen Andern verheirathet, so wird ersich um ihretwillen ganz verzehren. Und so dächte ich,Ihr würdet gut thun, wenn Ihr ihn, um Beides zu ver-meiden, in den Angelegenheiten des Handelshauses nachirgend einem entlegenen Orte schicktet. Entfernt er sichvon ihrem Anblicke, so wird er sie sich schon aus demSinne schlagen, und dann können wir ihm ein Mädchenvon guter Abkunft zur Frau geben." Die Vormünderbilligten die Rede der Mutter und versprachen nach ihrenKräften darnach HU handeln.
Zu dem Ende ließen sie sich den Knaben in das Ge-wölbe rufen, und Einer unter ihnen sagte ihm gar freund-lich: „Mein Sohn, Du sangst nachgerade an, groß zuwerden, und da ziemt es sich, daß Du selber lernst inDeinen Angelegenheiten nach dem Rechten zu sehen. Des-halb wäre es uns denn sehr lieb, wenn Du eine Zeitlang in Paris verweilen wolltest, wo Du einen großenTheil Deiner Reichthümer umsetzen sehen wirst. Ueber-dies wirst Du Dich dort viel mehr auszubilden, und guteSitten und feines Betragen zu erlernen Gelegenheit ha-ben, als hier, wenn Du die großen Herren, die Baroneund Edelleute, die dort vorzüglich zahlreich sind, beobachtest.Hast Du alsdann ihre Sitten Dir zu eigen gemacht, somagst Du hierher wieder zurückkehren."
Der Knabe hatte der Rede aufmerksam zugehört, ant-wortete nun aber mit wenig Worten, er wolle von alleDem nichts thun, denn er denke, so gut wie ein Anderer,ruhig in Florenz bleiben zu können. Die guten Leuteerklärten ihm zwar ausführlich ihre Misbilligung seinerAntwort; da sie indeß keine andere aus ihm herausbringen