68 Vierter Tag. Siebente Geschichte-
lange entfernt, und von entlegenen Weltgegenden gespro-chen haben.
Es war nämlich vor nicht gar langer Zeit in Florenzein ganz hübsches und für ihren Stand gar artiges Mäd-chen, die Simona hieß und eines armen Mannes Toch-ter war. Obgleich sie sich mit ihrer Hände Arbeit dasBrot verdienen mußte, das sie essen wollte, und sich vomWollespinnen ernährte, so hatte ^ sich die Armuth ihrerGesinnung doch so wenig bemächtigt, daß sie sich vonjener nicht abschrecken ließ, die Liebe in ihr Herz aufzu-nehmen, die seit geraumer Zeit den Eingang dazu mitdem gefälligen Betragen und den freundlichen Worteneines jungen Mannes begehrte, der um nichts vornehmerwar als sie und ihr Wolle für einen Wollenweber, beidem er diente, zu spinnen gab.
So sehr nun aber auch das gefällige Aeußere des jun-gen Mannes, der Pasquino hieß und sie ebenfalls liebte,die Simona entflammt hatte, so getraute sie sich dochbei dem lebhaftesten Verlangen nicht, weitere Schritte zuthun, sondern stieß nur unter dem Spinnen bei jedemEndchen wollenen Fadens, das sie um die Spule wand,in Gedanken an Denjenigen, in dessen Aufträge sie spann,tausend Seufzer aus, die heftiger als Feuer brannten. Aufder andern Seite war auch er ausnehmend sorgsam ge-worden, daß die Wolle seines Herrn gut gesponnen würde,und mahnte um die der Simona aufgetragene, als oballein aus dieser und aus keiner andern alles Tuch ge-woben werden sollte, am häufigsten. Wie nun der Einefortwährend bat, die Andere aber Vergnügen daran fand,gebeten zu werden, wurde er allmälig dreister, als er frühergepflegt, und sie verlor einen großen Theil von ihrer sonstgewohnten Furcht und Scham, bis sie sich endlich in vollerGewährung gegenseitiger Freuden einigten. Solches Ge-fallen fanden aber beide Theile an diesen, daß sie, weit entferntdie Aufforderung des Andern, abzuwarten, sich selber gegen- >fertig mit den Anträgen zu ihrer Wiederholung entgegenkamen.