Gerbino und die Prinzessin von Tunis. 47
für ihn entbrannt fühlte. Aus diesem Grunde trug er,voller Verlangen, sie selbst zu sehen, bis ein geziemenderGrund ihm des Großvaters Erlaubniß, nach Tunis gehenzu dürfen, gewahren würde, inzwischen Jedem seinerFreunde, der dorthin reiste, auf, nach Kräften und inder Weise, die er für die zweckmäßigste halten würde, sievon seiner geheimen und innigen Liebe zu unterrichten undihm Nachrichten von ihr zurückzubringen. Einer dieserFreunde richtete den Auftrag auf das geschickteste aus, in-dem er, unter dem Vorwände, daß er, nach Art der Kauf-leute, zum Frauenschmucke bestimmte, Juwelen der Damezum Ansehen bringe, ihr Gerbino's Gluth ohne Rückhaltoffenbarte und diesen und alles das Seinige ihrer freienVerfügung darbot. Die Dame empfing Boten wie Bot-schaft mit dem freudigsten Gesichte, erwiderte, wie sie ingleicher Liebe entbrannt sei, und sandte zum Zeugniß ihrerWorte dem Gerbino einen ihrer köstlichsten Juwelen. AlsGerbino dies Geschenk erhielt, war er darüber entzückt,wie man es über den Empfang der herrlichsten Gabe nurimmer sein kann. Derselbe Freund mußte der Dame nochöfters Briefe und prächtige Geschenke von Gerbino über-bringen, und die Liebenden besprachen sich darüber, wiesie, wenn das Schicksal es ihnen gestatten würde, sichsehen und umarmen wollten.
Während die Angelegenheiten noch so standen und woletwas langsamer gefördert wurden, als nöthig gewesenwäre, da auf der einen Seite die junge Dame und aufder andern Gerbino in gleichen Flammen brannten, ver-sprach der König von Tunis seine Tochter an den Königvon Granada. Diese war außer Maßen darüber betrübt,daß sie nicht allein durch diese Heirath von ihrem Gelieb-ten so weit entfernt, sondern ihm nun. so gut als gänzlichentrissen werden sollte; und, wenn sie ein Mittel gewußthätte, so wäre sie, damit das Gefürchtete nicht geschähe,gern vom Vater geflohen und zu Gerbino gekommen.
Als Gerbino von jener Verbindung hörte, verfiel er