Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
48
Einzelbild herunterladen
 

48

Vierter Lag. Vierte Geschichte.

darüber gleichfalls in unmäßige Traurigkeit und gedachteoftmals bei sich selber, wenn es eine Möglichkeit sei, undwenn sie zu Schiffe nach Granada gehe, wollte er sie mitGewalt entführen.

Der König von Tunis bekam indeß von dieser Liebeund von Gerbino's Planen einige Nachricht und, weil erwegen der Tapferkeit und der Macht des Letzteren in Sorgewar, that er, um die Zeit, als er seine Tochter hinüber-schicken sollte, dem König Wilhelm dieses sein Vorhabenzu wissen und erklärte zugleich, daß er es auszuführengedenke, wenn er versichert sei, daß er daran weder durchGerbino, noch durch einen Andern an dessen Statt ver-hindert werden würde. König Wilhelm, der ein alterHerr war und von Gerbino's Liebschaft niemals etwasvernommen, ließ sich nicht einfallen, daß um ihretwillenjene Versicherung nachgesucht werde, gewährte sie alsowillig und schickte seinen Handschuh dem König von Tu-nis zum Zeichen. Als dieser die Zusicherung empfangen,ließ er im Hafen von Carthago ein großes und schönesSchiff zurichten, es mit Allem versehen, was den daraufReisenden nöthig sein konnte, und es zur Ueberfahrt seinerTochter nach Granada verzieren und schmücken und war-tete nur noch aus günstiges Wetter.

Als die junge Dame dies Alles geschehen sah, sandtesie heimlich einen ihrer Diener nach Palermo, befahl ihm,den schönen Gerbino von ihr zu grüßen und ihm zu sa-gen, daß sie in wenig Tagen nach Granada abzureisenim Begriff stehe. Da würde man ja sehen, ob er sotapfer sei, als man von ihm sage, und ob er sie so liebe,wie er sie öfters habe versichern lassen. Der Diener be-stellte seinen Auftrag auf das beste und kehrte auch nachTunis wieder zurück. Gerbino aber wußte, als er dieBotschaft der Dame vernahm, da die Zusicherung seinesGroßvaters ihm bekannt war, nicht, was er thun sollte.Dennoch eilte ec, von der Liebe getrieben, und um nicht,nach den Worten der Dame, die ihm hinterbracht worden,