In Beziehung auf religiöse Eindrücke hatten die beiden Freundenur wenig mit einander gemein. Beide waren Seemänner, und wenndieses Wort auch nicht von selber folgern läßt, daß sie in mehrals gewöhnlichem Grade Sünder waren, so ist cs doch auch nichteben geeignet, sie zu Heiligen zu stempeln. Beide hatten in ihrenKnabenjahren die gewöhnliche Erziehung erhalten, und waren danngleichsam auf gut Glück in den Ocean des Lebens hinausgestoßenworden, um den Samen, so gut er konnte, Wurzel fasten und dieFrüchte reifen zu lasten. Wenige von Denen, ,welche sich in Schiffenauf die große Tiefe bcgebeick, bleiben — wenn sie überhaupt demverderblichen Einflüsse eines so rauhen Lebens entrinnen — ganzund gar ohne religiöse Eindrücke. Der Seemann lebt fortwährendso zu sagen in der unmittelbaren Anschauung der Allmacht Gottes,und ist daher immer geneigt, Seine Größe zu verehren, wenn ergleich Seine Gesetze oft Übertritt; in all' den Fällen aber, wo dieNatur dem Menschen, wie bei Bluewatern geschehen, einen Hang,sich tieferen Gefühlen hinzugeben, eiugepflanzt hat, ist selbst dasschlimmste Beispiel, d'as lockere gedankenlose Leben von Menschen,welche auf diese Art von allen gewöhnlichen Banden der Gesellschaftabgetrennt sind — nie ganz im Stande, die Ehrfurcht vor Gott, wiesie durch den fortwährenden Anblick der Großartigkeit seiner irdi-schen Werke in uns geweckt wird — völlig zu vertilgen.
Dieses Gefühl war bei Bluewater nicht ganz ohne Früchtegeblieben, denn er hatte viel gelesen und nachgedacht. Manchmal— obwohl in isolirten, weit getrennten Zwischenräumen — konnteer sogar beten, und zwar inbrünstig und mit dem vollen, lebendi-gen Bewußtsein seiner eigenen Fehler. Bei dieser Grundstimmungseines Wesens und in Folge der daraus hervorgehendcn Uebcrzeu-gungen war sein Geist bester auf die kommende Entscheidung vor-bereitet, als dicß bei den Meisten seiner Waffenbrüder der Fall ge-wesen wäre, die, wenn sie auch von dem in ihrem Stande so gewöhn-lichen Loose überrascht werden, sich in ihren letzten Augenblicken