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Neugierde zur Durchsicht. Ein so kurzes Testament war bald ge-lesen; sein Auge haftete aber aufmerksam auf dem Papier, bis ermit dem letzten Worte fertig war. Dann ließ er die Hand sinkenund schaute Bluewatern mit einem Erstaunen an, das er weder zuerkünsteln brauchte noch auch zu verbergen strebte. Er zweifeltekeineswegs an seines Freundes gesundem Verstand; dagegen schienihm dessen Klugheit stark in Frage zu stehen.
„Das ist nun allerdings eine höchst einfache, aber auch höchstsinnreiche Verfügung," begann er, „wenn sich's drum handelt, dieOrdnung der menschlichen Gesellschaft zu stören und ein höchst be-scheidenes und anspruchloses, wenn auch noch so liebenswürdigesMädchen in ein anmaßendes, aufgeblasenes altes Weib zu verwan-deln! Was in aller Welt kann diese Mildrcd Dutton dir sein,daß du ihr 30,000 Pf. vermachst?"
„Sie ist eine der Sanftesten, Edelsten, Reinsten und Liebens-würdigsten unter ihrem ganzen sanften, edlen, reinen und liebens-würdigen Geschlechts; dabei wurde sie nur durch den Fluch einesbrutalen, trunksüchtigen Vaters in ihre gegenwärtige Lage herab-gedrückt, und es ist nun einmal mein fester Wille, daß das Lebenhier wenigstens für das Elend, das es auferlcgt, auch einiger-maßen Vergütung leisten soll."
„Daran darfst du niemals zweifeln, Richard Bluewater, ge-wiß — niemals. Es ist so unzweifelhaft wahr, daß jedes Lasteroder Verbrechen schon in diesem Leben seine Strafe zu tragen hat,daß man wohl fragen könnte, ob es noch einer weiteren Hölle fürden Menschen bedürfe? Darum verlaß dich darauf, dein Ideal sanf-ter, edler Bescheidenheit wird nicht ohne Belohnung ansgehen."
„Vollkommen richtig, so weit cs den Geist betrifft; ich willaber auch ein wenig ans das Wohlergehen des Körpers bedacht sein.Du erinnerst dich doch noch der Agnes Hcdworth, oder nicht?"
„Ob ich mich ihrer erinnere! — welche Frage! Hätte mirder Krieg Zeit zur Liebe gelassen, Dick, von allen Frauen, die ich