' Es wurde schon oft die Bemerkung gemacht, daß zwischen Per-sonen von verschiedenartigen persönlichen Eigenschaften eine engereFreundschaft zu Stande kommt, als zwischen Solchen, wo völligeAchnlichkcit in Gefühlen und Ansichten das Interesse weit wenigerlebendig zu erhalten vermag; wo aber immer ein inniges Freun-desvcrhältniß bestehen soll, da muß in Allem, was mit den MotivendeS Handels znsammcnhängt, eine große Uebercinstimmnng inGrundsätzen und Meinungen vorhanden sein, wenn bei Denen,deren Glaubcnsbckcnntniß über den gewöhnlichen Weltansichtensteht, die verbindende Achtung und da, wo die Ausbildung desCharakters noch ans einer tieferen Stuft sich befindet, wenigstensSympathie bei beiden Theilcn hervorgernftn werden soll.
Ersteres war bei Admiral Oakes und Blncwatcr der Fall.Physisch und in gewisser Hinsicht auch geistig betrachtet, konntennicht leicht zwei Menschen in Temperament und Charakter einanderunähnlicher sein als sic; so wie man aber ans Grundsätze und all'die Ansichten und Gefühle, die sich auf Grundsätze beziehen, Rück-sicht nahm, bestand die innigste und zwar nicht nur angeborne, son-dern erworbene Geistesverwandtschaft zwischen Beiden. Diese Ein-heit in ihren Gesinnungen wurde noch vermehrt durch ihre gemein-schaftlichen Gewohnheiten, so wie durch die Gleichheit einer Laufbahn,welche Beide so lange und so innig mit einander verbunden hatte,daß eine beinahe durchgängige Identität zwischen ihnen hcrgestelltworden war.
So wurde Sir Gcrvaise OakcS nichts leichter, als AdmiralBlnewatcrs innerste Motive zu verstehen, wenn dieser versucht war,sich dem Glauben hinzugcbcn, daß er von der bestehenden Regie-rung nur nach Verdienst behandelt worden sei. Natürlich bedurfteSir Gervaise, während er diese Ideen an seinem Geiste vorüber-gehcn ließ, zu seinem Räsonnement weit weniger Zeit, als wir zuderen Erklärung nöthig haben; er schaute also, wie schon berichtet,seinem Freunde einige Sekunden lang aufmerksam in's Gesicht, undDie beiden Admirale. 10