445
Wahl, über welche sie mit sich schon völlig im Reinen war, benr-theilen würde, nicht aber, um sich einem thörichten Scherze übereinen Gegenstand hinzugeben, welcher alle ihre Gefühle so sehr inAnspruch nahm.
„Aber Du hast mir noch nicht gesagt, liebe Nanny," fuhr siefort, „wie ich nach Deiner Ansicht antworten sollte. KönntestDu zum Beispiel von mir verlangen, daß ich je meinen geliebtenVater verlasse?"
„Wozu wäre dies auch nöthig, Fräulein? Mr. Powis hatkeine eigene Heimath, und, was dies betrifft, kaum ein Vaterland."
„Wie kannst Du dies wissen, Nanny?" fragte Eva mit dereifersüchtigen Empfindlichkeit einer glühenden Liebe.
„Je nun, Miß Eva, sein Bedienter hat es gesagt, und dieserist doch schon lange genug bei ihm, um darum zu wissen, wenn ereine Heimath hätte. Ich lege mich selten nieder, ohne einen Rück-blick auf den Tag zu thun, und dabei haben sich oft und oft meineGedanken Sir George Templemore und Mr. Powis zugewendet;wenn ich aber dabei bedachte, daß der Eine ein Haus und eineHeimath hat, Letzterer aber keines von Beiden, so kam es mirimmer vor, als ob er es eigentlich seyn sollte."
„In dieser ganzen Sache hast Du also bloS auf die Bequem-lichkeit und auf das, was Andern angenehm seyn könnte, Rück-sicht genommen, nicht aber auf mein Bestes."
„Miß Eva!"
„Nein, theuerste Nany, vergib mir; ich weiß, daß Du inAllem zuletzt an Dich selbst denkst; und ich gebe zu, daß der Mangelan einer Heimath kein zureichender Grund seyn darf, einen Mannzum Gatten zu wählen. Die meisten Frauen würden im Gcgen-theil viel dawider einzuwenden haben."
„Ich maße mir nicht an, viel von dergleichen Gefühlen zuverstehen, Miß Eva. Wohl habe ich, wie ich einräumen muß,auch Freier gehabt, und ich glaube, einmal war es nahe daran.