Druckschrift 
22 (1846) Eva Effingham oder die Heimath : eine Fortsetzung "der Heimkehr"
Entstehung
Seite
442
Einzelbild herunterladen
 

442

vor sich gefaltet, während ihre Augen an der Decke hafteten; dannmachten sich ihre verhaltenen Empfindungen in einem Strom vonThränen Luft. Selbst die Kunde irgend eines unerwarteten Unglückshätte die arme Anna nicht tiefer erschüttern können, als dieserplötzliche Gefühlsausbruch ihres thenren Pfleglings. Sie ging auffic zu, beugte sich mit der Innigkeit einer Mutter über sie hin undfragte sie über den Grund ihres anscheinenden Kummers.

Sprecht, Miß Eva; es wird Euch das Herz erleichtern,"sagte die treue Dienerin.Eure liebe Mutter hatte auch bisweilensolche Gefühle, und ich wagte eS nie, sie darum zu befragen; aberIhr seyd mein Kind, und eS kann Euch nichts Unangenehmes be-fahren, ohne daß eS auch mich beträfe."

EvaS Augen leuchteten, und ihr Antlitz war noch immer vondem früheren Roth übergossen; als sie aber so freundlich durchihre Thränen lächelte, wußte die arme Anna nicht, was sie voneiner derartigen Entfaltung von Gefühlen bei einem sonst so ge-regelten Geiste halten sollte.

ES ist nicht Kummer, theure Nanny," murmelte Eva endlich;nichts weniger als dies. Ich bin nicht unglücklich. O neinvon Unglück ist entfernt nicht die Rede!"

Gott sey Dank, wenn eS so ist, Fräulein. Ich fürchtete, dieGeschichte mit dem englischen Gentleman und Miß Grace könnteEuch unangenehm sehn, denn er hat sich dabei nicht so schön be-nommen, als er hätte sollen."

Und warum nicht, meine arme Nanny? Ich habe WeberAnsprüche, noch wünsche ich Ansprüche an Sir George Templemorezu besitzen. Der Umstand, daß seine Wahl auf meine Muhme siel,hat mich eher aufrichtig erfreut, als mir Schmerz bereitet. Wäreer ein Landsmann von uns, so wäre die Freude völlig ungetrübt,denn ich glaube fest, daß er sich Mühe geben wird, sie glücklichzu machen."

Nanny sah jetzt ihre junge Gebieterin an und schaute sodann