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ScchSzchnteS Kapitel.
Ihr« Brust war ein weiter Bau, eine breite Straß'.Wo alle große Gedanken hatten freien Paß,
Und wo die Natur sich eine Wohnung thät wählen,Daß im Winkel nur Hausen die anderen Seelen.
John Morto».
HAir haben das Dorf Tems'lcto» bereits als ein Miniatnr-siädtchcn bezeichnet. Es hatte zwar etwa ein halb Dutzend vonGründen umgebene Wohnungen, welche eigene Namen führten,aber doch kaum zwölfhundert Acres Flächenraum; denn seit Ent-stehung des Ortes hatte hier im Gegensätze zu der gewöhnlichenAuSbreitungSlust der Landbevölkerung jene allen amerikanischenStädten so eigenthümliche ConcentrationS-Neiguug Platz gegriffen,welche es fast zu einer gesetzlichen Vorschrift zu machen scheint,daß eine Privatwohnung nicht mehr als drei Fenster vorn hinausund eine Fayade von blos fünfundzwanzig Fuß haben dürfe.
In einer der abgeschiedensten Straßen (denn Templeton hatteseine Oeffentlichkeit, wie seine Abgeschiedenheit, obschon letztere ganzden Dorfcharakter in sich trug) wohnte eine Stroh - Wiltwe, dieeinige Mittel besaß, fünf Kinder hatte und sich'S angelegen sehnließ, ihr Licht leuchten zu lassen. Mrs. Abbot, denn so hieß dieseHalbverlaffene, stand just am Rande der sogenannten „guten Ge-sellschaft" des Dorfes, die allerunbehaglichste Lage, in welcher sicheine ehrgeizige und oi-clovnnt hübsche Frau befinde» kann. Siehalte die Hoffnung noch nicht aufgegebcn, eine Scheidung zu er-wirken und aufs Neue Freier um sich zu scheu, war auffallend —ja, eigentlich wüthend andächtig, hielt sich selbst für ein Musterbildvon Vollkommenheit, vbschon die Nachbarn gar Manches gegen sieeinzuwenden hatten, und konnte überhaupt als ein possirlicheS, aberkeineswegs seltenes Gemisch von Frömmigkeit und Tadelsucht, Men-