Tingoccio's Rachrich en aus dem Fcgfeuer. 327
schliefest, als Du noch hier warst-, welche Buße ist Dirdafür zuerkannt?"
Hierauf erwiderte Tingoccio: „Bruder, als ich dortankam, traf ich auf Einen, der alle meine Sünden aus-wendig zu wissen schien, und der mir an einen Ort zugehen befahl, wo ich in großer Pein meine Schuld be-weinte und wo ich gar viele Gefährten fand, zu derselbenBuße verurtheilt, als ich. Als ich nun so unter ihnenweinte und an Das, was mit der Gevatterin geschehenwar, dachte, erwartete ich immer eine noch viel größereStrafe, als mir zuertheilt war, und obschon ich mich ineinem großen und sehr brennenden Feuer befand, so zitterteich doch vor Furcht. Als dies Einer, der mir zur Seitestand, sah, sprach er: „„Was hast Du mehr als die An-dern, die hier sind, gethan, daß Du mitten im Feuerzitterst?"" — „O, sprach ich, lieber Freund, ich habe sogroße Furcht vor dem Nichterspruche, den ich erwarte, einersehr großen Sünde wegen, die ich einst beging." — Nunfragte er mich, was das für eine Sünde sei. — „Siewar der Art, antwortete ich ihm, daß ich bei meiner Ge-vatterin schlief, und das so lange, daß ich mich zu Grunderichtete." Hierauf verlachte ec mich und sagte: „„Geh,Du Narr, und fürchte nichts, denn hier hält man keineRechnung über die Gevatterinnen."" Als ich dies hörte,beruhigte ich mich."
Dies gesagt, sprach er, da der Tag heran nahete:„Leb wohl, Meuccio, ich kann nicht länger bei Dirweilen," und sogleich verschwand er. Wie Meuccionun gehört hatte, daß man dort keine Rechnungen überdie Gevatterinnen halte, fing er an, sich über seine Thor-heit auszulachen, mit der er schon von mehreren derselbenabgelassen hatte, und wurde auch hierin, nachdem er seineUnwissenheit verabschiedet, von nun an klüger. Hätte diesAlles aber unser Bruder Rinaldo gewußt, so hätte er nichtnöthig gehabt, zu allerhand Trugschlüssen zu greifen, umseine gute Gevatterin zu seinen Wünschen zu bekehren."