326 Siebenter Lag. Zehnte Geschichte.
Eine glücklicher, als der Andere, und Tingoccio, der in denBesitzungen der Gevatterin das Erdreich angenehm zu be-stellen fand, grub und arbeitete so lange, bis eine Krankheitdaraus erfolgte, die nach wenigen Tagen so schwer wurde,daß er sie nicht bestehen konnte und aus diesem Leben schied.
Den dritten Tag- nachdem er gestorben, erschien er,weil er vielleicht nicht eher gekonnt hatte, seinem Ver-sprechen gemäß, in einer Nacht in Meuccio's Kammerund rief diesen, der in tiefem Schlafe lag. Meuccio er-wachte und sprach: „Wer bist Du?" Jener antwortete:„Ich bin Tingoccio, der, nach dem Versprechen, was ecDir gab, zu Dir zurückkehrt, um Dir Kunde aus derandern Welt zu bringen." Etwas erschrak nun>Meucciowohl, als er ihn sah, doch faßte er sich und sagte: „Seimir willkommen, Bruder," und dann fragte er ihn, ober verloren sei. — „Verloren," antwortete Tingoccio hier-auf, „sind die Dinge, die man nicht wiedcrsinden kann,und wie könnte ich denn hier sein, wenn ich verlorenwäre?" — „Ach," sagte Meuccio, „ich meine nicht so,sondern ich frage Dich, ob Du unter den verdammtenSeelen im peinigenden Feuer der Hölle bist?" — Hieraufantwortete ihm Tingoccio: „Das nicht, aber wohl befindeich mich um meiner begangenen Sünden willen in großerQual und Angst."
Nun fragte Meuccio den Freund ausführlich, welcheStrafe für jede einzelne der hier begangenen Sünden dortgegeben würde, und Tingoccio beschrieb sie ihm alle. Dannbegehrte Meuccio zu wissen, ob er diesseits irgend etwasfür ihn thun könne, und Tingoccio antwortete ihm, ja,und dies wäre, daß er Messen für ihn lesen ließe, Gebetespräche und Almosen gäbe. Alles Dinge, welche den See-len dort sehr nützlich wären. Meuccio versprach, daß erdies gern thun wolle, und eben, als Tingoccio nunvon ihm scheiden wollte, erinnerte ec sich der Gevatterin,und den Kopf etwas emporhebend, sprach cr: „Gut, Tin-goccio, daß mir die Gevatterin einsällt, bei der Du oft