Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
325
Einzelbild herunterladen
 

Tingoccio's Nachrichten aus dem Fegfeuer. 325

sehr verlangte; und dies betheuerten sie sich mit einemEidschwur.

Nach diesem Gelöbniß fuhren sie fort, miteinander, wiewir gesagt haben, zu verkehren, und es geschah, daß Tin-goccio der Gevatter eines gewissen Ambrosia Anselmini,der in Campo Reggi wohnte, wurde, der von seiner Frau,Namens Monna Mita, einen Sohn hatte. Da nun Tin-goccio zusammen mit Meuccio zuweilen die Gevatterin be-suchte, die eine gar schöne und reizende Frau war, so ver-liebte ec sich, ungeachtet der Gevatterschaft, in sie, undeben so Meuccio, dem sie gleichermaßen sehr gefiel, undder sie von Tingoccio so viel rühmen hörte. Diese Flammejedoch verbargen sie Einer dem Andern sehr sorgfältig, wenngleich nicht aus einem und demselben Grunde.

Tingoccio hütete sich, sie dem Meuccio zu entdecken,um der Sünde willen, der er sich schuldig zu machenglaubte, wenn er seine Gevatterin liebte, und die er sichgeschämt haben würde, irgend Jemand wissen zu lassen.Meuccio aber schwieg nicht deshalb, sondern weil er schonbemerkt hatte, daß sie dem Tingoccio gefiel.Entdeckeich ihm dies," sprach er zu sich selbst,so wird er eifer-süchtig auf mich werden, und da er ihr, als ihr Gevatter,so oft er wünscht, nahen kann, so wird er mich bei ihrnach Kräften verhaßt machen, und ich werde nie etwasvon ihr erlangen, was ich mir wünsche."

Wie nun diese beiden Jünglinge auf die erzählte Artsortliebten, geschah es, daß Tingoccio, welcher mehr Gele-genheit hatte, der Geliebten seine Wünsche zu offenbaren,mit Thaten und mit Worten cs so weit zu bringen wußte,daß er sein Verlangen endlich von ihr erfüllt sah. Diesward Meuccio wohl gewahr; allein so unlieb es ihm auchwar, so stellte er sich doch, in der Hoffnung, auch seinerSeits dereinst zum Ziele seiner Wünsche zu gelangen, unddamit Tingoccio nicht Ursache und Anlaß hätte, ihm dieszu verderben und ihm darin hinderlich zu sein, als bemerkteec nichts. So liebten denn diese beiden Genossen, der