324 Siebenter Tag. Zehnte Geschichte.
Allen zugleich mich jenem zu unterwerfen, und von Demzu sprechen, wovon Ihr Alle gesprochen habt. Allein nichtblos ist Das, was ich selbst zu erzählen gedachte, bereitserzählt worden, sondern man hat darüber auch so viel Anderesuno Schöneres vorgebracht, daß ich, so viel ich auch meinGedächtniß durchsuche, mich doch auf nichts besinnen kann,was ich Euch über diesen Gegenstand noch vortragenkönnte, das dem schon Erzählten gleich käme. So mußich denn gegen das von mir selbst gegebene Gesetz sündigenund erbiete mich dafür, als der Strafe würdig, im Vor-aus zu jeder Buße, die mir auferlegt wird. Jndeß aberkehre ich zu meinem gewohnten Vorrecht zurück und sageEuch, daß die von Elisen erzählte Geschichte vom Gevat-ter und der Gevatterin, und nächstdem die Albernheit derSieneser so viel Gewalt über mich ausübcn, daß ich, viel-geliebte Damen, die Streiche bei Seite lassend, welchethörichten Männern von ihren verständigen Frauen gespieltwurden, mich gemüßigt sehe, Euch eine Geschichte zu er-zählen, die, obgleich sie in sich viel von Dem hat, wasman nicht glauben soll, nichtsdestoweniger zum Theilangenehm zu hören sein wird.
Es lebten also einst in Siena zwei Jünglinge ausden Volksständen, von denen der Eine Tingoccio Miniund der Andere Meuccio di Tura hieß, die am Salaja-Thore wohnten und fast mit Niemand umgingen, alsmit einander, und dem Anschein nach einander sehr lieb-ten. Sie gingen, wie es die Menschen machen, zusam-men in die Kirchen und in die Predigten und hatten hieroft von der Glorie und von dem Elend, wie sie den See-len der Verstorbenen in der andern Welt nach ihren Ver-diensten zugetheilt würden, gehört. Hierüber begehrten sienun außerordentlich eine sichere Kunde zu haben, und dasie keinen andern Weg dazu fanden, so gelobten sie sichunter einander, daß Der, welcher von ihnen zuerst stürbe,Dem, der lebend zurückbliebe, wenn er könnte, erscheinenund ihm die Nachrichten bringen sollte, nach denen er so