Tingocciv's Nachrichten aus dem Fegfeuer. 323
sie zu Nikostratus: „Nun, da ich den Feind meines gutenRufes gefallt sehe, ist auch mein Zorn verschwunden,"und freundlich verzieh sie ihm, der sie darum beschwor,nun seine Schuld, indem sie ihm auferlegte, daß er niewieder von Der, die ihn mehr als sich selber liebte, einesolche Sache glauben solle. — So kehrte denn der armeGemahl, verhöhnt, mit ihr und ihrem Liebhaber in denPalast zurück, wo später Pyrrhus an Lydia, und diesean Jenem noch oft mit größerer Gemächlichkeit Freudeund Vergnügen fand. — Der Himmel möge uns Allenähnliche bescheeren! — —"
Zehnte Geschichte.
Zwei Sieneser lieben eine Frau, die des Einen Gevatterin ist; derGevatter stirbt und erscheint, seinem Versprechen gemäß, dem Ge-fährten und berichtet ihm nun, wie er sich jenseits befindet.
^>ie Pflicht zu erzählen blieb nun dem König nur nochallein übrig, und als dieser die Damen, welche sich überden abgehauenen Birnbaum, welcher keine Schuld gehabthatte, in Klagen ergossen, etwas beruhigt sah, begann erfolgendermaßen:
„Es ist offenbar, daß jeder gerechte König der erste Hü-ter der von ihm gegebenen Gesetze sein soll; denn thut eranders, so muß man ihn für einen der Strafe würdigenSklaven, nicht aber für einen König erkennen. In dieseSchuld und diesen Tadel zu verfallen sehe ich mich, derich Euer König bin, fast genöthigt. Es ist wahr, daßich erst gestern unsern heutigen Erzählungen das Gesetzvorschrieb, mit der Absicht, mich an diesem Tage meinesVorrechts nicht bedienen zu wollen, sondern mit Euch