Der Bindfaden der Monna Sismonda. 307
Liebhaber her gewesen war? Gab ich Dir nicht so vieleFaustschlage und schnitt ich Dir die Haare nicht ab?" —
„In diesem Hause," antwortete die Frau, „hast Duseit gestern Abend nicht geschlafen. Doch lassen wir allesAndere, das ich doch nur durch meine wahrhaftigen Wortebeweisen könnte, und kommen wir zu Dem, was Du vondem Schlagen und Abschneiden der Haare sagst. Michhast Du nicht geschlagen, und ihr Alle, die Ihr hier seid,Du selbst mit, seht mich an, ob ich an meinem ganzenKörper irgend ein Zeichen von Schlagen habe. Auchwollte ich es Dir nicht rathen, so verwegen zu sein, daßDu Hand an mich legtest; denn beim Kreuze Gottes, ichkratzte Dir die Augen aus. Auch kein Haar hast Dumir abgeschnitten, daß ich es gefühlt oder gesehen hätte;oder hast Du es vielleicht gethan, ohne daß ich es be-merkt? Laß sehen, ob meine Haare abgeschnitten sind,oder nicht." Und nun hob sie ihren Schleier vom Hauptund zeigte Allen, daß ihr Haar nicht beschnitten, sondernunversehrt war.
Als die Brüder und die Mutter dies Alles sahen undhörten, begannen sie zu Acriguccio: „Was soll das Allesbedeuten, Acriguccio? Das paßt fürwahr nicht zu Dem,was Du uns erzähltest, daß Du gethan, und wir wissennun nicht, wie Du das Uebrige beweisen willst." Arri-guccio stand wie ein Träumender und wollte reden; aberda er sah, daß selbst Das, was er beweisen zu könnenglaubte, nicht so war, so wagte er kein Wort mehr vor-zubringen. Die Frau aber wandte sich nun zu ihrenBrüdern und sprach:
/,Jch sehe, lieben Brüder, daß mein Mann danachgestrebt hat, daß ich thue, was ich niemals thun wollte,nämlich, daß ich Euch seinen schnöden Lebenswandel undseine Schlechtigkeit erzähle, und so will ich es denn auchthun. Ich glaube fest, daß ihm Das, was er Euch er-zählt hat, wirklich begegnet ist, und er cs so gethan hat,und höret nun, wie. — Dieser Ehrenmann, dem Ihr
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