306 Siebenter Tag. Achte Geschichte.
monda sie kommen hörte, rief sie aus: „Wer ist da?" —Einer der Brüder antwortete hierauf: „Das wirst Duwohl wissen, schuldiges Weib, wer da ist." — Hieraufcntgegnete Monna Sismonda: „Was soll das bedeuten?Herr, steh uns bei!" — Dann stand sie auf und sprach:„Meine Brüder, seid mir willkommen! Was begehrt Ihrzu dieser Stunde von mir, alle drei?"
Als diese sie so beim Nahen sitzen sahen, und ohneirgend eine Spur im Gesicht, geschlagen zu sein, wahrendArriguccio doch erzählt hatte, daß ec sie ganz zerbläuethatte, wunderten sie sich gleich beim ersten Eintritte et-was, und zügelten den Ungestüm ihres Zorns einigerma-ßen. Darauf fragten sie sie, wie das zugegangen sei, wo-rüber Arriguccio sich beklage, und drohten ihr heftig, wennsie ihnen nicht Alles genau sage. „Ich weiß nicht" sprachdie Frau nun, „was ich Euch sagen soll, noch worüberArriguccio sich beklagt haben kann." — Arriguccio sah siejetzt an und betrachtete sie nun, wie ein Blödsinniger;er erinnerte sich wohl, ihr vielleicht tausend Faustschlägeins Gesicht gegeben, sie zerkratzt und ihr alles crsinnlicheUebel von der Welt zugefügt zu haben, und jetzt sah ersie vor sich, als wenn gar nichts von alle dem vorge-fallen wäre. Die Brüder indeß theilten ihr in der Kürzemit, was Arriguccio ihnen erzählt hatte, von dem Faden,den Schlagen und alles Uebrige.
Nun sprach die Frau, zu Arriguccio gewendet: „Wehemir, Mann, was muß ich hören? Warum gibst Dumich vor Andern zu Deiner eignen Schmach für ein ver-worfenes Weib aus, was ich nicht bin, warum stellst DuDich selbst schlechter und grausamer, als Du bist? Undwann warst Du denn diese Nacht zu Hause, geschweigedenn bei mir? Wann schlugst Du mich? Ich besinnemich auf nichts." — „Wie," begann Arriguccio nun,„Schändliche, gingen wir nicht mitsammen zu Bett?Kehrte ich nicht dahin zurück, nachdem ich hinter Deinem