304 Siebenter Lag. Achte Geschichte.
so gut er Hände und Füße nur rühren konnte, so vielPüffe und Tritte, daß er ihr das ganze Gesicht verun-staltete. Zuletzt schnitt er ihr gar die Haare ab, indemer ihr die größten Schmähredcn sagte, die einem schlechtenWeibsbilde je gesagt wurden. Die Magd weinte heftig,wie sie denn dazu auch Anlaß genug hatte, und obschon sieeinige Male auscief: „Weh mir, Gnade, um Gotteswil-len st' oder „Höre aus!" so wurde ihre Stimme von demWeinen doch so erstickt, oder Arriguccio von seinem Zornso betäubt, daß ec nicht erkannte, daß dies die Stimmeeiner Andern sei, als seiner Frau.
Nachdem er sie so nach Herzenslust zerbläuct, und ihr,wie wir sagten, die Haare abgeschnitten hatte, sprach er:„Weiter will ich Dich nicht mehr anrühren, Du verräthe-risches Weib, sondern zu Deinen Brüdern will ich gehenund ihnen Deine schönen Lhaten erzählen, und dann mö-gen sie Dich holen und mit Dir machen, was sie glau-. den, daß ihre Ehre erheischt, und Dich fortführen; dennfürwahr, in diesem Hause sollst Du nimmermehr bleiben."Und dies gesagt, verließ er die Kammer, verschloß diesevon außen und ging ganz allein davon.
Als Monna Sismonda, die Alles mitangchört hatte,den Mann entfernt sah, öffnete sie die Kammer, zündetedas Licht wieder an und fand nun ihre Magd ganz zer-bläuet und heftig weinend. Diese tröstete sie so gut siekonnte und schaffte sie in ihre Kammer, wo sie sie stillbedienen und pflegen ließ und sie auf Arriguccio's eigeneKosten so reichlich schadlos hielt, daß das Mädchen ganzzufrieden war. Sobald sie nun die Magd in deren Kam-mer eingerichtet, eilte sie das Bett in ihrer eignen wiederzurecht zu machen und Alles darin so in Ordnung zubringen, als wenn diese Nacht kein Mensch darin geschla-fen hätte; zündete dann die Lampe an, kleidete sich an undmachte sich das Haar zurecht, als wenn sie noch gar nicht zuBette gegangen wäre, nahm ein brennendes Licht und ihreLinnen, setzte sich damit oben an die Treppe und fing nun