Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
301
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Der Bindfaden der Monna Sismonda. 301

zahlt wurden; doch mit Gottes Hülfe hoffe ich michdieser Last wohl zu entledigen.

Ihr müßt also wissen, daß in unserer Stadt einstein reicher Kaufmann, Namens Arriguccio Berlinghierilebte, ein Mann, der thörichter Weise, wie wir noch heutealle Tage von Kaufleuten thun sehen, durch eine Frauzum Edelmann zu werden hoffte und daher ein adligesFraulein, welches schlecht zu ihm paßte, und deren NameMonna Sismonda war, zur Gattin nahm. Diese, daihr Gemahl, wie die Kaufleute pflegen, viel auswärtswar und wenig bei ihr verweilte, verliebte sich in einenjungen Mann, Namens Ruberto, welcher ihr schon langeden Hof gemacht hatte. Nachdem sie nun mit ihm ver-traut geworden, und (weil sie außerordentliches Vergnü-gen daran fand), sich dabei vielleicht nicht allzu vorsichtigbenommen hatte, geschah es, daß Arriguccio, mochte ernun etwas davon gemerkt haben, oder wie es sonst zuging,der eifersüchtigste Mensch von der Welt wurde, sein Um-herwandern und alle seine Geschäfte aufgab, fast seine ganzeSorgfalt nur darauf richtete, sie wohl zu hüten, und nim-mer eher eingeschlasen wäre, ehe er sie nicht in das Betthätte kommen hören.

Hierüber nun fühlte die Frau großes Leidwesen, weilsie jetzt aus keine Weise mehr mit ihrem Nuberto zusam-men sein konnte. Doch nachdem sie vielerlei Überlegun-gen angestellt, Mittel zu finden, um mit ihm zusammenzu ftin, und auch er sie heftig darum anging, fiel es ihrendlich ein, folgenden Weg dazu einzuschlagen. Da ihreKammer an der Straße lag und sie oft bemerkt hatte,daß Arriguccio zwar schwer einschlief, allein dann auch umso fester schliefe; so erdachte sie, den Ruberto um die Mit-ternacht an die Hausthüre kommen zu lassen, ihm diesedann leise zu öffnen und etwas mit ihm zu verweilen,während der Mann fest schliefe. Und um nun zu ma-chen, daß sie es bemerkte, wenn er käme, ohne daß irgendjemand sonst cS gewahr würde, beschloß sie, einen Bind-