Egano, der zufriedene Hahnrei. 299
thue als hättest Du nur Versuchungswelse mich angegan-gen, schimpfe den Egano aus, als hieltest Du ihn fürmich, und laß auch den Stock wacker auf seinen Rückentanzen; das soll uns noch unmäßige Freude und Ergötzenbereiten."
Als Egano den Anichino, der, nachdem er aufgestan-den, mit einem Weidenstock in der Hand, herunter inden Garten gekommen war, von Ferne erblickte, erhub ersich und ging, ihn freundlich zu empfangen, ihm einigeSchritte entgegen. Anichino aber rief: „O Du verwor-fenes Weib, bist Du also wirklich gekommen, und hastglauben können, ich wollte also an meinem Herrn freveln?Alles Unheil tausendmal in Deinen frechen Hals!" Unddamit hob er den Stock auf und sing an, den Egano zuverarbeiten. Wie dieser jene Rede hörte und den Stocksah, lief er, ohne ein Wort zu sagen, davon, Anichino in-deß war hinter ihm her und rief immer fort: „Lauf, Duliederliches Weibstück, und alle Teufel über Dich; morgenfrüh aber erzähle ich wahrhaftig Alles Deinem Manne."Egano lief, was er konnte, nach der Kammer zu; erwischteaber doch, bevor er sic erreichte, einige wohlgesalzene>. -Hiebe.
Die Schöne fragte ihn, ob Anichino in den Gartengekommen sei. Egano antwortete: „Wäre er lieber nicht;denn weil er mich für Dich hielt, hat er mit seinemStocke mich ganz geschlagen und mich ärger gescholten,als je eine schlechte Dirne ausgeschimpft ward. Darumwunderte ich mich auch so über ihn, daß ec mir zur Un-ehre derlei Reden gegen Dich geführt haben sollte; aberweil er Dich immer so aufgeweckt und scherzend steht, hater Dich einmal prüfen wollen." „Nun Gottlob," sagtedie Dame, „daß er mich nur mit Worten und Dich mitder That geprüft hat, und ich glaube, er wird mir nach-rühmen, daß ich die Worte geduldiger ertrage, als Dudie That. Aber weil er Dir denn so treu ist, so wirdman ihn nun wol lieb haben und ihm Ehre anthun