Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
298
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298 Siebenter Lag. Siebente Geschichte.

besser belehrt; denn heute, während Du auf der Jagdwarst, blieb er hier, und als die Zeit ihm gelegen schien,scheute er sich nicht, von mir zu begehren, daß ich ihmzu Willen sei. Damit ich Dir nun diese Geschichte nichterst lange zu beweisen brauchte und sie Dich mit Hän-den greifen lassen könnte, antwortete ich ihm, ich sei's zu-frieden und wollte diese Nacht nach zwölfen ihn in un-seren Garten unter dem Pinienbaum erwarten. Ich fürmein Theil denke eben nicht hinaus zu gehen; aber, wennDu sonst Lust hast^ die Treue Deines Dieners kennen zulernen, so kannst Du's leicht haben. Du brauchst Dirnur einen Obercock von mir anzuziehen, einen Schleierumzuthun und dort unten abzuwarten, ob er kommt;denn ich wette, er thut es."

Wie Egano dies hörte, sprach er:Nun wahrlich, dasmuß ich sehen," und so stand er auf und zog sich, so gutes im Dunkeln gehen wollte, einen Oberrock von seinerFrau an, that einen Schleier über den Kopf, ging hin-unter in den Garten und sing an, unter der Pinie ausAnichino zu warten.

Wie aber die Dame Egano aufstehen und fortgehengehört hatte, stieg sie aus dem Bett und riegelte innendie Thür ab. Anichino, der in der ganzen Zeit die schreck-lichste Angst ausgestanden und aus allen Kräften sich ge-müht hatte, den Händen der Dame zu entgehen, hatte zuAnfang wol hunderttausend Mal sie und seine Liebe undsich selbst verwünscht, daß er so übereilt gewesen sei, ihrzu glauben, als er aber hernach sah, wie sie zuletzt that,dünkte er sich auch der glücklichste aller Menschen. Wienun seine Geliebte wieder ins Bett gestiegen war, zog ernach ihrem Willen gleich ihr sich aus, und Beide genossenan einander eine gute Weile alle Lust und Freude.

Als die Schöne endlich glaubte, Anichino dürfe nichtlanger verweilen, hieß sic ihn aufstehen und sich wieder ent-kleiden, und sprach:Nun geh, mein süßes Herz, in denGarten hinunter, und nimm einen tüchtigen Stock mit;