Egano, der zufriedene Hahnrei. 295
bei ihm angebracht, worüber denn dieser sich unsäglichfreute.
Wie er nun im Hause weilte und seine Geliebtesehen konnte, so oft er immer wollte, da wußte er Allesdem Egano so zu Sinne zu machen, daß dieser ihm über-aus gut ward, nichts ohne ihn thun mochte und sichund älle seine Angelegenheiten nur von ihm leiten ließ.
Eines Tages begab cs sich, daß wahrend Egano aufdie Jagd gegangen und Anichino zurückgeblieben war,Madonna Deatcice, die seine Liebe noch nicht wahrgenom-men, obgleich sie, ihn und seine gute Sitten oft be-achtend, ihn im Stillen gelobt und an ihm Gefallengefunden hatte, mit ihm zum Schachspiele sich nieder-sctzte. Anichino ließ, im Verlangen, sie zu erfreuen, aufsehr geschickte Weise sich besiegen, und die schöne Frau warganz glücklich darüber.
Da die Dienerinnen Beatcice's, wie sie Beide spielensahen, sich entfernt und sie allein gelassen hatten, stießAnichino einen lauten Seufzer aus. Die Schöne sah ihnan und sagte: „Was fehlt Dir, Anichino, ist Dir's soleid, daß ich gewinne?" „Mavonna," antwortete Ani-chino, „viel Ernsteres als dies war es, um das ich seufzte."„Nun," erwiderte sie, „so sage mir's, wenn Du mich liebhast." Wie Anichino sich von Der, welche er über allesAndere liebte, bei seiner Liebe zu ihr beschwören hörte, daseufzte er wol noch lauter als zuvor. Die Dame bat ihnaufs Neue, ihr zu sagen, was der Grund seiner Seufzersei. Anichino antwortete aber: „Madonna, ich fürchtesehr, wenn ich es sage, möchte es Euch misfallen, unddann sorge ich, ob Ihr cs sonst wem wiedererzahlen wür-det." Die Dame erwiderte: „Gewiß ich nehme Dir esnicht übel auf, und darüber sei ruhig, was Du mirauch sagst, davon erfahrt durch mich Niemand mehr alsDu wünschest."
„Wohlan denn," sagte Anichino, „weil Ihr mir dasversprecht, so will ich es Euch gestehen." Und nun er-