294 Siebenter Lag. Siebente Geschichte.
so weit er auch in der Welt herum gekommen sei, undso viel Frauen er auch gesehen, so habe er doch keine er-blickt, deren Schönheit der der Gattin des Egano de' Ga-luzzi in Bologna, Madonna Beatrice geheißen, irgend ge-glichen hatte. Alle seine Gefährten, die mit ihm in Bo-logna gewesen waren, stimmten ihm völlig bei.
Als Lodovico, der noch niemals ein Weib geliebt hatte,dies Alles vernahm, entbrannte er von solchem Verlangen,sie zu sehen, daß er unfähig war, an Anderes zu denken.Völlig entschlossen, um ihretwillen nach Bologna zu gehenund, wenn sie ihm gefalle, dort zu verweilen, gab er ge-gen den Vater vor, er wolle das heilige Grab besuchenund erlangte mit vieler Mühe die Erlaubnis dazu. Sokam er denn unter dem angenommenen Naiven Anichinonach Bologna und war glücklich genug, schon am folgen-den Tage bei einem Feste jene Dame zu sehen, die ihmin der Wirklichkeit unendlich schöner erschien, als er sicheingebildet hatte. Auf das glühendste in sie verliebt, be-schloß ec Bologna nicht zu verlassen, bevor ec nicht ihreLiebe erworben hätte.
Indem er nun bei sich überlegte, welchen Weg er zuseinem Ziele einschlagen sollte, verwarf er alle übrigen, undmeinte, was er begehrte, möchte sich wol am besten schicken,wenn er Diener ihres Mannes, welcher deren viele hielt,werden könnte. In dieser Absicht verkaufte er seine Pferde,brachte seine Leute schicklich unter und befahl ihnen, sichzu stellen, als kennten sie ihn nicht. Dann besprach ersich mit seinem Wicthe und sagte ihm, daß er gern beieinem anständigen Herrn, wenn er ihn zu finden wüßte,als Diener unterkäme. Worauf der Wirth erwiderte:„Du solltest einem Edelmann hier in Bologna, NamensEgano, zum Diener eben willkommen sein; denn er hältihrer viele, und jeder muß gut aussehcn, wie Du es thust.Ich werde ihm von Dir reden." Wie gesagt so gethan;noch ehe der Wirth Egano verließ, hatte er den Anichino