Mab. Jsabella und ihre zwei Liebhaber. 291
was ich Euch gesagt habe; dann schwingt Euch rasch aufEuer Pferd und verweilt Euch auf keine Weise mit ihm."
Herr Lambertuccio sagte dies gerne zu; schnell zog ersein Messer und ganz entslammt im Gesicht, theils vonder bestandenen Anstrengung, theils vor Zorn über dieHeimkehr des Ritters, spielte er seine Rolle ganz so, wiedie Frau ihm befohlen hatte. Ihr Mann, im Hofe ab-gestiegcn, wunderte sich über das Pferd, und indem ec nundie Treppe hinausgehcn wollte, sah er Lambertuccio wü-thend herabsteigen und, erstaunt über seine Worte undsein zorniges Gesicht, rief er ihm zu: „Was bedeutet das,Herr?"— Doch Lambertuccio setzte den Fuß in den Steig-bügel, schwang sich hinauf und erwiderte nichts Anderesals: „Beim Kreuze Gottes, ich will ihn anderswo tref-fen" und damit jagte er davon.
Untcrdeß stieg der Herr Gemahl die Treppe hinaufund fand seine Frau an deren oberem Ende ganz erschrecktund zitternd vor Furcht. „Was ist das?" sprach er zuihr. „Wen sucht Herr Lambertuccio so ivüthend und sodrohend?" Die Frau zog sich sacht gegen die Kammerzurück, damit Lionctto sie hören könne, und erwidertedann: „Herr, in meinem Leben habe ich keine solche Furchtausgestanden. Seht nur: ein junger Mensch, den ichnicht kenne, flüchtet sich hier herein und Herr Lambertuc-cio verfolgt ihn mit dem Messer in der Hand; er aberfindet zufällig diese Kammer offen und redet mich zitterndan: „Madonna, um Gotteswillen rettet mich, daß ichnicht in Euren Armen umgcbracht werde." Ich richtemich auf, und wie ich ihn noch fragen will, wer er wäreund was ec vor hätte, siche, da stürzt Herr Lambertuccioherein und ruft: „Wo bist Du, Verrather?" Ich treteihm an der Kammerthür entgegen und halte ihn auf, wäh-rend er einzutreten strebt; endlich ist er so artig, da ecsicht, daß cs mir nicht gefällt, ihn hier hinein zu lassen,daß er, nachdem ec Vielerlei gesagt hatte, davon eilt, wieIhr unten gesehen habt."
!3*