290 Siebenter Tag. Sechste Geschichte.
Lionetto bat, er möge es nicht übel nehmen, und sichnur einen Augenblick hinter die Gardine des Bettes ver-bergen, bis Herr Lambertuccio wieder fort sei. Lionetto,der nicht geringere Furcht vor ihm hatte, als die Frau,versteckte sich eilig, und nun befahl sie der Magd, zu ge-hen und dem Lambertuccio zu offnen.
Als diese ihm ausgemacht, und er im Hofe von sei-nem Pferde abgestiegen, dies an einer Krampe festgebun-den hakte, kam er schnell hinauf. Die Frau machte ihmein freundliches Gesicht, kam ihm bis an den Anfang derTreppe entgegen, empfing ihn so gut sie konnte, mitfreundlichen Worten und fragte ihn, was er mache. DerRitter umarmte und küßte sie und sprach: „Mein süßesLeben, ich hörte, daß Euer Mann nicht hier ist, und bingekommen, etwas bei Euch zu verweilen." Und dies ge-sagt, traten sie in die Kammer, verschlossen sich darin undLambertuccio fing an, sich mit ihr zu vergnügen.
So noch verweilend, ereignete es sich, daß, ganz wi-der alles Vermuthen der Frau, ihr Mann plötzlich zurück-kehrte. Als die Magd diesen nahe bei dem Schlosse sah,lief sie schnell zu der Kammer ihrer Gebieterin und rief:„Madonna, der Herr ist zurück; ich glaube, er ist schonunten im Hofe." — Wie die Frau dies vernahm undnun bedachte, daß sie zwei Männer im Hause habe, vondenen der Ritter, seines Pferdes wegen, das im Hofestand, auf keine Weise zu verbergen sei, hielt sie sich fürverloren. Nichts desto weniger sprang sie augenblicklichaus dem Bette auf die Erde, faßte ihren Entschluß undsprach zu Herrn Lambertuccio: „Herr, wenn Ihr mich'nur irgend lieb habt und vom Tode erretten wollt, sothut, was ich Euch sagen werde. Nehmt Euer entblößtesJagdmesser in die Hand und eilt mit zornigem und wü-thendem Gesicht die Treppe hinunter und ruft: „BeiGott gelobe ich, ich will ihn anderswo fassen." Undwenn mein Mann Euch aufhalten wollte, oder irgend et-was fragen, so erwidert ihm durchaus nichts Anders, als