292 Siebenter Tag Sechste Geschichte.
Hierauf sprach ihr Ma-nn: „Du hast recht gethan,Frau; die Schmach wäre auch zu groß gewesen, wenn ir-gend Jemand hier im Hause ermordet worden wäre, undHerr Lambcrtuccio hat mich sehr beleidigt, daß er Jemand,der hier herein flüchtete, auf diese Art verfolgt." Dannfragte er, wo der junge Mensch wäre. „Herr," erwidertedie Frau, „ich weiß nicht, wo er sich verborgen hat." —Nun rief der Ritter: „Wo bist Du, komm nur gutenMuths hervor."
Lionetto, der alles Dies mit angehört hatte, trat ganzzagend, wie er denn wirklich Furcht genug gehabt hatte,aus dem Ort hervor, wo er sich versteckt gehalten. Jetztsprach der Ritter zu ihm: „Was hast Du mit HerrnLambertuccio vor?" — „Herr," entgegnete der Jüngling,„nichts in der Welt, das ich wüßte, und darum glaubeich fest, daß er entweder nicht recht bei sich ist, oder daßer mich mit irgend Jemand verwechselt haben muß. Dennals er mich nicht fern von Eurem Schloß auf der Land-straße erblickte, legte er sogleich die Hand ans Schwertund rief: „Vcrräther, Du bist verloren!" Ich hattenicht Zeit zu fragen, warum, sondern sing an zu fliehen,so schnell ich konnte, und gelangte hierher, wo ich, Gottund dieser edlen Dame sei es gedankt, Rettung fand." —„Nun denn," sprach der Ritter hierauf, „so leg DeineFurcht ab, ich werde Dich gesund und sicher in DeinHaus bringen, und Du magst dann zu erforschen suchen,was er mit Dir vor hat."
Als sie darauf zusammen gegessen hatten, ließ er ihnein Pferd besteigen, führte ihn nach Florenz und setzte ihnvor seinem Hause ab. Der Jüngling aber sprach noch den-selben Abend nach der Anweisung, welche er von der Frauerhalten hatte, heimlich mit Herrn Lambertuccio und ei-nigte sich so mit ihm, daß, so viel auch nachher hiervongesprochen wurde, der Ritter niemals hinter den Streichkam, welchen die Frau ihm gespielt hatte."