Mad. Jsabella und ihre zwei Liebhaber. 289
zufrieden ist, und unterweilen zu wechseln begehrt, so ver-liebte sich diese Frau, der ihr Mann nicht ganz genügte,in einen jungen Menschen, welcher Lionetto hieß, anmu-lhig und gesittet war, obgleich keinesweges von hoher Ge-burt, und er sich gleichermaßen in sie. Und wie Ihrwißt, daß, was beide Theile wollen, selten unaus-geführt bleibt, so währte es denn auch nicht lange, daßsie ihrem Liebeswunsche Erfüllung zu geben eilten.
Zugleich aber geschah es auch, daß in diese schöne undreizende Frau ein Ritter, Namens Lambertuccio, sich hef-tig verliebte, ein Mann, der ihr jedoch so unangenehmund widerwärtig dünkte, daß nichts in der Welt sie ver-mögen konnte, ihm ihre Neigung zu schenken. Umsonstverfolgte er sic mit Gesandtschaften, und da diese ihm nichtshalsen, er aber ein mächtiger Mann war, so sing er an,ihr zu drohen, er wolle sie öffentlich beschimpfen, wennsie seinen Wünschen nicht genügte. Dies fürchtete dieFrau über Alles, und da sie ihn kannte, wie er war, soergab sie sich endlich darin, ihm in seinem Verlangen zuwillfahren.
Diese Dame nun, welche Madonna Jsabella hieß,war, wie es unsere Gewohnheit im Sommer ist, zu einergar schönen Besitzung auf dem Lande hinausgezogen, woes eines Morgens geschah, daß, als ihr Mannn irgendwohin ausgeritten war und mehrere Tage wegbleibensollte, sie nach Lionetto schickte, damit ec unterdeß zuihr komme. Dieser begab sich unverweilt und fröhlichdahin.
Herr Lambertuccio, der indeß vernommen hatte, daßder Gemahl seiner Geliebten fort sei, stieg ganz allein zuPferde, eilte zu ihr und klopfte an die Thür. Die Magdder Frau hatte ihn gesehen, eilte nun sogleich zu ihr, diemit Lionetto im Schlafzimmer war, ries sie und sprach:„Madonna, unten ist Herr Lambertuccio ganz allein!"Als die Frau dies hörte, dünkte sie sich das unglücklichsteWeib der Erden; allein so sehr fürchtete sie ihn, daß sieDekameron. II. I!j