Der Eifersüchtige als Beichtvater. 287
und ich habe Dir's treulich gegeben. Doch wärest Du soweise gewesen, wie Du Dich dünktest, so hättest Du aufdiese Weise nicht die Geheimnisse Deiner guten Frau zuerforschen gesucht, und ohne falschen Verdacht zu hegen,hättest Du bemerken können, daß Das, was sie Dir beich-tete, die Wahrheit war, ohne daß sie darum noch in ir-gend etwas gefehlt hätte. Ich sagte Dir, ich liebte einenPriester, und hattest Du, den ich so unverdient liebe,Dich nicht zum Priester gemacht? Ich sagte Dir, daßkeine Thür in unserm Hause vor ihm verschlossen zu hal-ten wäre, wenn er bei mir schlafen wollte, und welcheThür wurde Dir je in Deinem Hause versperrt, wennDu dahin kommen wolltest, wo ich war? Ich sagte Dir,daß der Priester jede Nacht bei mir schliefe, und wannhattest Du das nicht gethan? Und so oft Du DeinenChorknaben zu mir schicktest, weißt Du nicht, daß ichjedes Mal, wenn Du nicht bei mir wärest, Dir antwor-ten ließ, der Priester sei nicht bei mir gewesen? Welchernoch so Gedankenlose außer Dir, der sich von Eifersuchtverblenden ließ, hätte alles Das nicht verstanden? UndDu hast Dich im Hause versteckt, um die Thür zu hü-ten, und mich wähntest Du glauben zu machen, Du seiestwo anders zum Esten und zur Herberge ausgegangen!Sieh nun Deine Verirrungen ein und werde wieder derMann, der Du zu sein pflegtest, und laß Dich nichtvon Denen auslachen, die Deine Weise keinen, wie ich,und vor Allem unterlaß diese strenge Huth, die Du aus-übtest: denn ich schwöre Dir beim Himmel, wenn mirder Wunsch ankäme, Dir Hörner aufzusetzen, und hättestDu hundert Augen, wie Du deren nur zwei hast, sowürde ich mich getrauen, meinen Wunsch zu erlangen,und zwar so, daß Du es durchaus nicht gewahr würdest."
Der eifersüchtige Pinsel, welcher bis dahin glaubte,das Geheimnis seiner Frau auf eine gar schlaue Weise er-kundet zu haben, hörte dies nicht sobald, als er sich be-trogen erkannte. Ohne etwas zu entgegnen, hielt ec von