284 Siebenter Lag. Fünfte Geschichte.
die Frau: „Herr, thut das bei Leibe nicht, daß Ihr mirJemand in's Haus schicket; denn, wenn das mein Mannerführe, der ist so eifersüchtig, daß er um der ganzen Weltwillen den Gedanken nicht aufgeben würde, daß jener umunlauterer Gründe willen käme, und im ganzen Jahrewürde ich keine leidliche Stunde mehr bei ihm haben." —„Madonna, fürchtet das nicht," entgegnete der Eifersüch-tige hierauf; „denn ich will schon Mittel und Wege fin-den, daß Ihr darüber nie ein Wort von ihm hörensollt." — „Nun," sprach die Frau, „wenn Ihr das zumachen über Euch nehmt, so bin ich zufrieden." Und alssie nun die Beichte geschlossen, die Buße übernommen,und wieder aufgestanden war, ging sie fort, die Messe zuhören. Der Eifersüchtige aber, schnaubend über sein Miß-geschick, eilte die Priesterkleider abzulegen, und kehrte dannnach Hause zurück, begierig, Mittel zu finden, den Geist-lichen und die Frau beisammen zu treffen, um dem Ei-nen, wie der Andern böses Spiel zu machen.
Als die Frau von der Kirche heimkehrte, sah sie wohlan den Mienen des Mannes, daß sie ihm ein schlimmesFestgeschcnk gemacht hatte; er aber gab sich Mühe, so guter konnte, ihr zu verbergen, was er gethan hatte und waser zu wissen sich cinbildete. Bei sich selbst aber hatte erinzwischen schon beschlossen, die folgende Nacht an der Stra-ßenthür seinen Posten cinzunehmen und zu warten, bis derPriester käme, und deshalb sagte er denn zu seiner Frau:„Ich muß diesen Abend zum Essen und zur Herbergeauswärts sein; Du wirst daher die Straßcnthür, so wiedie auf der Mitte der Treppe und die Stubenthüc wohlverschließen, und wenn cs Dir Zeit dünkt zu Bett ge-hen." — „In Gottes Namen," antwortete die Frau;und sobald sie nun Zeit hatte, ging sie an die Spalteund gab das gewohnte Zeichen, worauf Filippo, als erdies wahrnahm, sogleich herbeikam. Ihm erzählte sie nun,was sie diesen Morgen gemacht, und was der Mann ihrnach dem Essen gesagt hätte, und fügte dann hinzu: „Ich