Der Eifersüchtige als Beichtvater. 283
Als der Eifersüchtige dies hörte, dünkte cs ihm, alswürde sein Herz von einem Messerstiche durchbohrt, undhätte ihn nicht der Wunsch gefessellt, mehr zu hören,so hatte er Beichte Beichte sein lassen und wäre davongerannt. Allein so hielt er sich und fragte die Frau:„Wie? schläft denn Euer Mann nicht bei Euch?" —„Ja wohl, Herr," erwiderte die Frau. „Nun," sagteder Eifersüchtige, „wie kann denn auch der Priester beiEuch liegen?" „Herr," entgegnete die Frau, „mit wel-cher Zauberei er es treibt, weiß ich nicht; aber im ganzenHause ist keine so fest verschlossene Thür, die sich nichtöffnete, sobald er sie berührte, und wenn er dann zu mei-ner Kammerthür kommt, so spricht er, wie er mir sagt,ehe er sie öffnet, gewisse Worte, auf welche mein Mannsogleich in tiefen Schlaf verfällt, und wenn er ihn dannschlafen hört, öffnet er die Thür, tritt hinein und ver-weilt bei mir — und das trügt nie."
„Nun," erwiderte der Eifersüchtige, „Madonna, dasist sehr übel gethan, und durchaus müßt Ihr davonlassen." — „Herr," erwiderte ihm die Frau, „das glaubeich nimmer zu können, denn nur zu sehr liebe ichihn." — „Dann," sprach der Eifersüchtige, „kann ichEuch auch nicht absolviren."— „Das betrübt mich sehr,"entgegnete die Frau. „Ich kam nicht hierher, Euch Un-wahrheiten vorzusagen, und wenn ich glaubte, ich sei imStande zu thun, was Ihr verlangt, so würde ich esEuch sagen." — „In Wahrheit, Madonna," sprach derEifersüchtige hierauf, „Ihr thut mir leid, denn ich seheEuch bei dieser Geschichte Eure Seele in's Verderben stür-zen; doch will ich zu Eurem Dienst keine Mühe scheuenund meine besonder» Gebete in Eurem Namen zum Him-mel schicken; vielleicht, daß sie Euch helfen. Und zugleichwill ich von Zeit zu Zeit einen meiner Chorknaben zuEuch senden, dem Ihr sagen möget, ob sie Euch geholfenhaben oder nicht, und wenn sie Euch dann Beistand ge-leistet, so wollen wir weiter zusehen." Hierauf antwortete