282 Siebenter Tag. Fünfte Geschichte.
Frau mit der Morgencöthe auf, kleidete sich an und ver-fügte sich zu der ihr vom Manne bezeichnten Kirche. An-derer Seits stand auch der Eifersüchtige auf und begabsich zu derselben Kirche, wo ec vor ihr eintraf, und daer mit dem dortigen Priester schon verabredet hatte, waser thun wolle, warf er sich schnell eines der Gewänderdes Priesters um, welches eine große Kaputze mit Backenhatte, wie wir die Priester tragen sehen, zog sich diesesmöglichst vorne über und setzte sich dann in dem Chornieder.
Als die Frau die Kirche betrat, ließ sie nach dem Prie-ster fragen. Dieser kam, und als er von der Frau hörte,sie wolle beichten, sagte ec ihr, er könne ihr jetzt nichtBeichte hören; aber er würde ihr einen seiner Genossenschicken: dann ging er fort und schickte ihr den eifersüch-tigen Mann zu seinem Unstern. Dieser erschien gravitä-tisch, und, obschon es noch nicht Heller Tag war, und ersich die Kaputze ganz über die Augen gezogen hatte, sokonnte er sich doch nicht so verbergen, daß er von derFrau nicht augenblicklich erkannt worden wäre. Als dieseihn so sah, sprach sie bei sich selbst: „Gott sei Dank, derist nun aus einem Eifersüchtigen zum Priester gewor-den! Doch laß nur, ich will ihm schon geben, was ecsucht."
Sie that daher, als kenne sie ihn nicht, und setzte sich so-gleich ihm zu Füßen nieder. Mein Herr Eifersüchtiger hattesich einige kleine Steine in den Mund gesteckt, damit ihndiese etwas am Sprechen hinderten, so daß er daran vonseiner Frau nicht erkannt würde, indeß er in allen übri-gen Stücken sich so völlig entstellt glaubte, daß er aufkeine Weise es für möglich hielt, von ihr erkannt zu wer-den. Als sie nun zur Beichte kam, sagte die Frau, welcheihm schon vorher berichtet hatte, daß sie verheirathet sei,unter andern Dingen, die sie ihm bekannte, auch, daßsie in einen Geistlichen verliebt sei, welcher sie jede Nachtbesuchte und bei ihr schliefe.